Daten zu Stephanus

Stephanus von Giotto di Bonde, 1320 bis 1325, im Museo Horne in Florenz

Gedenktag katholisch:
26. Dezember
Feste:
bedacht im Eucharist. Hochgebet I, im Ambrosianischen Hochgebet I
und im spanisch-mozarabischen Hochgebet
Hochfest im Bistum Wien, in der Stadt Passau, im Dom in Mainz
in Metz und Passau: Übertragung der Gebeine: 7. Mai
in Halberstadt: Ankunft der Gebeine: 9. Mai
in Châlons-sur-Marne: Übertragung der Gebeine: 20. Juni
Auffindung der Gebeine: 3. August
in Bourges und Sens: Übertragung der Gebeine: 18. November
Gedenktag evangelisch:
26. Dezember
Gedenktag anglikanisch:
26. Dezember
Gedenktag orthodox:
27. Dezember
4. Januar, 15. Juni
Überführung der Reliquien im Jahr 428: 2. August
Erhebung der Gebeine im Jahr 415: 15. September Gedenktag armenisch: 25. Dezember
7. Januar, 9. April, 29. Oktober,
26. Dezember, 27. Dezember
Übertragung der Gebeine: 2. August
Erhebung der Gebeine und Übertragung nach Jerusalem: 15. September Gedenktag koptisch:
27. Dezember
Übertragung der Reliquien nach Konstantinopel: 12. September Gedenktag syrisch-orthodox:
8. Januar
Name bedeutet: die Krone (griech.)
Archidiakon, Erzmärtyrer
* um 1 (?) in Jerusalem (?) in Israel
† um 36/40 bei Jerusalem in Israel

Attribute: als Diakon, Steine
Patron von Rom und Beckum im Münsterland; der Pferde, Pferdeknechte, Kutscher, Steinhauer, Maurer, Zimmerleute, Weber, Schneider, Böttcher und Küfer; gegen Besessenheit, Steinleiden, Seitenstechen und Kopfweh; für einen guten Tod; des Bistums Wien
Bauernregeln: Bringt St. Stephan Wind, / die Winzer nicht fröhlich sind.
Windstill muss St. Stephan sein, / soll der Nächste Wein gedeih'n.

Die Geschichte

Petrus weiht Stephanus zum Diakon Fra Angelico, 1447 bis 49, Ausschnitt aus einem Fresco in der Cappella di Niccolina des Pastpalastes im Vatikan

Stephanus war der erste von sieben Diakonen der urchristlichen Gemeinde in Jerusalem; diese Diakone waren von den Aposteln durch Handauflegung geweiht worden, nachdem in der Gemeinde ein Konflikt zwischen Mitgliedern mit griechischem Hintergrund und solchen mit traditionell jüdischem aufgetreten war um die Frage der Versorgung von Witwen. Diakone waren nun zugleich für die Glaubensverkündigung zuständig wie auch für die sozialen Belange der Gemeinde und hatten den Rang von Gemeindeleitern, die in ihrer Bedeutsamkeit nahe an die Apostel heranreichten (Apostelgeschichte 6, 1 - 7). Stephanus war ein Mann voll Gande und Kraft, tat große Wunder und Zeichen unter dem Volke(Apostelgeschichte 6, 8).
Durch eine seiner Predigten geriet Stephanus mit den hellenistischen Juden in Jerusalem in Konflikt. Sie brachten ihn unter dem Vorwurf der Reden wider die heiligen Stätten und das Gesetz mit falschen Zeugen vor den Hohen Rat (Apostelgeschichte 6, 9 - 15). Er durfte seine Verteidigungsrede, in der er seinen christlichen Glauben bekannte und den Vorwurf des Prophetenmordes und der Nichtbeachtung der durch == Mose überbrachten Gebote erhob, nicht zu Ende führen. Die Richter sahen sein Antlitz wie das eines Engels strahlen, hielten sich aber die Ohren zu vor seiner flammenden Verteidigungsrede, mit der er sein Bekenntnis ablegte. Die in Apostelgeschichte 7, 2 - 53 wiedergegebene, eindrucksvolle Rede belegt, dass Stephanus noch vor Paulus den universellen Anspruch des Christentums verkündete.
Stephanus wurde am Ende seiner Rede die Vision zuteil, wie Jesus zur Rechten Gottes steht; als er dies mitteilte, wurde er als Gotteslästerer empört umringt und von der aufgebrachten Menge vor den Stadttoren - nach der Überlieferung beim Damaskus-Tor - gesteinigt. Er sah den Himmel offen, kniete im Gebet nieder, vergab seinen Peinigern und starb (Apostelgeschichte 7, 54 - 60). Saulus von Tarsus, der spätere Paulus, stimmte nach eigenem Bekunden der Hinrichtung zu und bewachte die Kleider der Zeugen, die gegen Stephanus ausgesagt hatten (Apostelgeschichte 22, 20). Stephanus' Steinigung war der Auftakt zu einer großen Christenverfolgung in Jerusalem (Apostelgeschichte 8, 1 - 3).
Von Nikodemus und Gamaliel wurde Stephanus der Überlieferung nach in einem neuen Grab des Ackers von Gamaliel begraben. Der Auffindungsbericht der Erhebung seiner Gebeine aus dem Jahr 415 bildete die Grundlage für die Legende, wie der Priester Lucianus zur Zeit des Kaisers Honorius dreimal Gamaliel als würdiger Greis im weißen, goldgestickten Gewand erschien; er forderte ihn auf, die Gebeine aus den verwahrlosten Gräbern in Kaphar-Gamala - wohl beim heutigen Kloster Beit-Gemal nahe Jerusalem - zu überführen, die an vier Körben zu erkennen seien: an einem goldenen Korb mit roten Rosen das Grab des Stephanus, an zwei weiteren goldenen Körben mit weißen Rosen die Gräber des Nikodemus und des Gamaliel, an einem silbernen Korb mit Safran schließlich das Grab von Gamaliels Sohn. Lucianus und die Bischöfe von Jerusalem fanden die Gräber und bestatteten Stephanus in der Zionskirche von Jerusalem.
Tatsächlich lagen Stephanus' Gebeine in der Jerusalemer Zionskirche; Bischof Juvenal überführte sie 439 in die neue Stephanuskirche am Platz seines Martyriums. Kaiserin Eudokia ließ bald darauf an dieser Stelle eine geräumige Basilika bauen, sie wurde 484 geweiht, aber 614 von den Persern zerstört. Legenden erzählen, wie ein Senator aus Konstantinopel in Jerusalem starb und anordnete, neben Stephanus begraben zu werden, dem er eine Kapelle hatte bauen lassen. Als nun dessen Frau nach Konstantinopel zurückkehren und den Sarg ihres Mannes mitnehmen wollte, verwechselte sie ihn mit dem des Stephanus. Auf dem Schiff hörte man erst der Engel Gesang, dann aber das Wüten der Dämonen, die dem Schiff mit Untergang drohten, aber vom Erzengel Michael in den Abgrund gedrängt wurden. Der Sarg des Stephanus wurde in Konstantinopel in einer Kirche beigesetzt.
Schon Irenäus von Lyon und Tertullian erwähnen Stephanus' Martyrium, Augustinus preist seine Kraft, den Mördern zu vergeben. Stephanus wurde im Osten ab dem 4. Jahrhundert, im Westen seit dem 6. Jahrhundert verehrt. Reliquien kamen nach Menorca, Augustinus berichtete von Wundern an Reliquien in Afrika und in Ancona. Eine Hand gelangte 428 nach Byzanz, Pulcheria ließ dafür eine Kapelle innerhalb des Palastes bauen. Die Legenden erzählen, wie Eudoxia, die Tochter des Kaisers Theodosius, schwer von Dämonen besessen wurde, die ihr andeuteten, nur Stephanus könne sie heilen. Ihr Vater ließ Eudoxia nach Konstantinopel kommen, dort forderte der böse Geist die Überführung der Gebeine des Stephanus nach Rom, was 425 ausgeführt wurde, worauf ihre Heilung erfolgte.
Durch Galla Placidia kam der Kult nach Ravenna und Rimini, unter Bischof Martinian um 431 nach Mailand, dann nach Bologna und Verona. In Rom wurde die erste Stephanus-Kirche, S. Stefano Rotondo, Mitte des 5. Jahrhunderts erbaut und dann von Papst Simplicius geweiht. Papst Pelagius II. ließ um 585 Stephanus' Gebeine aus Konstantinopel - dem heutigen Ístanbul - nach Rom bringen und in der Krypta von S. Lorenzo fuori le Mura neben dem Leichnam von Laurentius bestatten, worauf dessen Leichnam zur Seite gerückt sei, um seinem Vorbild Stephanus Platz zu machen. Ein Mosaik der unter Papst Pelagius II. erweiterten Kirche stellt Stephanus mit Pelagius, Laurentius mit Hippolytus dar. Stephanus und Laurentius gelten als die Stadtpatrone von Rom, seitdem wurden die beiden Erzdiakone und Erzmärtyrer häufig zusammen dargestellt. Sie gehörten zu den im Mittelalter am meisten verehrten Märtyrern.
In Gallien ist die Kathedrale von Arles aus dem Jahr 449 ein erster Beleg der Verehrung; Gregor von Tours berichtete von Wundern, Stephanus wurde Patron von 21 Kathedralen in Gallien. 980 kamen aus Metz Kleidungsteile nach Halberstadt. Die Stadt Mainz kam gegen Ende des ersten Jahrtausends von Straßburg aus in den Besitz von Reliquien; Erzbischof Willigis gründete das St. Stephansstift auf dem höchsten Punkt der Stadt. Die Verehrung breitete sich rasch weiter aus. Von Passau aus ging sie nach Osten und die Donau entlang, wovon der Stephansdom in Wien und der Stephanuskult in Ungarn Zeugnis ablegen. Im Mittelalter förderten besonders die deutschen sowie die ungarischen Könige und Kaiser seinen Kult.
Der Stephanus-Tag wurde schon seit der Einführung des Weihnachtsfestes als Fest am Tag nach dem Fest der Geburt Jesu begangen, wodurch die Freude über die Geburt und die Trauer über die Bedrohtheit des Lebens ganz nahe zusammen gesehen wurden. Möglicherweise durch Verdrängung eines heidnischen Winterfestes wurde Stephanus Patron der Pferde und des Gedeihens in Feld und Haus. Pferde werden in seinem Namen gesegnet; am Stephanstag wechselten Pferdeknechte und Kutscher ihren Arbeitgeber. Am Stephanus-Tag wurde in den Kirchen ein Kelch mit Rotwein, in dem ein Stein versenkt war, gesegnet; der Rotwein erinnerte an das vergossene Blut, der Stein an die Art des Martyriums; dieser gesegnete Wein wurde dann bei vielen Krankheiten als Heilmittel verwendet, er trägt die weinrechtlich offizielle Bezeichnung "Stefaniwein" oder "Stefanilese". An Arme wurde am Stephanstag Brot ausgeteilt, womit die ursprüngliche Tätigkeit der Diakone nachvollzogen wurde. Kinder zogen singend von Haus zu Haus und baten um Gaben, dieser Brauch ist dann auf Epiphanias übergegangen. Das früher reiche Brauchtum ist heute weitgehend vergessen.
Seit 2003 ruft die Deutsche Bischofskonferenz der Katholiken dazu auf, den Tag als Fürbittetag für Verfolgte Christen heute zu begehen.

Das Martyrium Bernardo Daddy, Fresco, 1324, in der kirche Santa Croce n Florenz

Überblick über die Geschichte der Pfarrgemeinden
Kanskirchen/S t. Johann und Albersweiler


Kanskirchen, seit 1561 St. Johann
985/991:
Ersterwähnung der Ortsbezeichnung „Kanteskircha“ (Kirche des Kant) in der urkundlichen Überlieferung der Benediktinerabtei Weißenburg im Elsass (Codex Edelini); dort auch Hinweis auf eine frühe Eigenkirche.
Um 1200 entstand in unmittelbarer Nähe der Kirche eine Gemeinschaft frommer Frauen in der Absicht, nach dem Vorbild der Reuerinnen in Speyer eine klösterliche Niederlassung zu gründen.
1222 kam das Kloster unter die Aufsicht des Abts von Eußerthal.
1260 wurde der Begriff „Schwestern“ benutzt.
Spätestens 1263 hatte die Gemeinschaft die Regel der Reuerinnen angenommen.
1360 wurde die Kirche zu Kanskirchen dem Kloster Eußerthal inkorporiert.
Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war das Reuerinnenkloster fast ausgestorben.
Um 1470: Erwähnung einer Plebanie und Frühmesserei in der Bistumsmatrikel. Kanskirchen gehörte damals zum Landdekanat Weyher.
1542 wurde der Klosterbesitz vom Grafen von Löwenstein eingezogen.
1544: erster luth. Gottesdienst in der Kirche zu Kanskirchen.
1555: Übertragung des Patronatsrechts an der Kirche an den Grafen von Löwenstein.
1555—1589 war die Pfarrei nicht besetzt.
1558 schlossen sich die Löwensteiner der Reformation an.
1589—1683/84 (mit Unterbrechung von 1636 bis 1651) lutherische Pfarrei für die Herrschaft Scharfeneck in St. Johann.
Um 1670 Wiedereinführung von katholischen Gottesdiensten in den Kirchen von Ram- berg (seit 1675 kath. Pfarrei) und St. Johann
1684: St. Johann Filiale von Albersweiler.

Seit 1803: St. Johann nicht mehr Filiale, sondern nur noch Annexe der Pfarrei Alberswei1er.
1841 Abbruch der alten Kirche.
Albersweiler
1065: Ersterwähnung der Ortsbezeichnung „albrahteswilre“ in der urkundlichen Überlieferung der Benediktinerabtei Weißenburg im Elsass (Codex Edelini).
1299: erste urkundliche Erwähnung einer Kirche in Albersweiler.
Um 1470: Erwähnung einer Pastorie und Frühmesserei in der Bistumsmatrikel. Albersweiler gehörte damals zum Landkapitel Herxheim.
Von 1537 bis 1589 lutherische, anschließend bis 1818 reformierte Pfarrei.
Um 1684 setzte die Rekatholisierung des Albersweilerer Raumes ein.
1684 Wiederbegründung der katholischen Pfarrei Alberswei1er.
1694 Verlegung des Pfarrsitzes der 1675 errichteten kath. Pfarrei für das Amt Scharfen- eck von Ramberg nach Albersweiler; die Pfarrei hatte neben St. Johann folgende Filialen:
Ramberg und Dernbach bis 1804, Bindersbach bis 1786; Eußerthal 1696 bis 1716.
Von 1698 bis 1843 war die alte Bergkirche Simultankirche.
1803 Neuumschreibung der
Pfarrorganisation: Albersweiler erhält neuen Pfarrsprengel:
1804 entsteht eine eigene Pfarrei Ramberg mit der Filiale Dernbach. Zur Pfarrei Albersweiler mit der Annexe St. Johann gehörten nun die Filialen Eußerthal von 1808—1863 und Birkweiler von 1803—1 806.
1817/21 Wiedererrichtung des Bistums Speyer; die kath. Pfarrei Albersweiler gehörte zum Dekanat Bad Bergzabern.
1843 Abriss der alten Bergkirche (Simultankirche) und Bau einer neuen Pfarrkirche, der Stephanskirche, die im Oktober 1845 geweiht wurde.
1980 wurde das Dekanat Bad Bergzabern aufgelöst, so dass Albersweiler seitdem zum Dekanat Landau gehört.



Grundzüge der Geschichte der kirchlichen und
politischen Gemeinde


von Walter Baiersdörfer


„Den Wanderer, der den feiszerklüfteten Wasgau durchzogen hat, begrüßt in Albersweiler das rebengeschmückte Gelände der Ebene und wer vom alten Kaiserdom, der noch älteren Nemeterstadt aus, die Ebene durchwanderte wird hier von gewaltigen Berg- kuppen empfangen. Hier ist die Scheide zwischen Haardt und Wasgau, zwischen freundlicher Idylle und ernster Betrachtung und wenn die Gegend überaus viele Reize aufzeigen kann, so gewinnt sie noch mehr durch ihre Geschichte.“ (Chronik Thum)
In ältester Zeit
Urkundlich erwähnt wurde die Gemeinde zwar erst im Jahre 1065, doch kann man davon ausgehen, dass sie, weil Mitglied der Haingeraidegenossenschaft, bereits viel früher bestanden hat und an einer uralten Straße, die durch den heutigen Ortsbereich führte, begründet wurde. Die Gründung von Albersweiler und St. Johann liegt zeitlich eng beieinander. Beide Ortsnamen sind von den Namen der fränkischen Gründer bzw. Erstsiedler abzuleiten:
Albersweiler = Weiler des Albrecht (1065 Albrahteswilre, 1150 Adelbrahteswilre, 1412 Albrechtswilr)
Kanskirchen = Kirche des Kant (kanteskircha — Kanteskirche, Kanskirchen — seit 1561 St. Johanskirchen)
Erste urkundliche Erwähnung im Güterverzeichnis des Klosters Weißenburg.
Die Territorialherrschaften
Wie fast die ganze Gegend, war auch Albersweiler eine Domäne der Frankenkönige und ging als solche in den Besitz der deutschen Kaiser über. Von den Saliern gelangte die Herrschaft Scharfeneck in den Besitz einer adligen Familie, die sich danach benannte und deren Herrschaftsgrenze sich über St. Johann (Kanskirchen) bis nach Albersweiler herunter zog, das damals nur aus wenigen Häusern bestand. Durch Ansiedlung auf scharfeneckischem Gebiet erweiterte sich der Ort, so dass die Herrschaftsgrenze schließlich mitten durch Albersweiler verlief. Die Grenze verlief durch die heutige Rehbergstraße, die Hauptstraße bis zur Apotheke, Hohlstraße, Siebenmorgen und über den Latter Weg zum Heerweg. In der Zeit der Löwensteiner und Zweibrücker Herrschaft wurde der Grenzverlauf durch Steine markiert. Sie tragen die Wappen der beiden Herrschaften (Löwe und Rauten) und sind in einigen Exemplaren am Rehberger Weg und auf der Latt noch zu sehen.
Aus den Händen der Familie Scharfeneck ging der Besitz über an die Familie Metz, kam 1430 an die Kurpfalz und 1476 an die Söhne Friedrichs des Siegreichen, später Fürsten von Löwenstein. Der löwensteinische Teil von Albersweiler unterstand dem Ortsschulzen und der Gerichtsbarkeit von St. Johann.
Die andere Hälfte des Ortes gehörte zur Herrschaft Neukastel und unterstand bis 1330 den hier wohnenden Rittern von Ranschbach. Um 1410 kam die Herrschaft in den Besitz der Herzöge von Zweibrücken und zwar bis zur Französischen Revolution. Das zweibrückische Albersweiler bildete mit Queichhambach, Ilbesheim und Leinsweiler einen Distrikt, dem ein Oberschultheiß mit eigenem Dorfschulz, ein Dorfrichter und Schöffen, mit Sitz in Albersweiler, vorstand.

Das Dorfgericht
bestand, wie überhaupt in alter Zeit, aus dem Amtsgericht als erster, dem Territorialherrn, der schon die Todesstrafe aussprechen konnte, als zweiter und dem kaiserlichen Landrichter für den Speyergau, später Reichskammergericht, als dritter Instanz.
Gerichtssitz für den löwensteinischen Teil war St. Johann. Das Amtsgericht des anderen Ortsteils war bis 1291 von den Kaisern besetzt worden, zweite und dritte Instanz war das sogenannte kaiserliche Queichhambacher Blutgericht. Mit der Erhebung Landaus zu einer Reichsstadt, durch Rudolf von Habsburg, erhielt zunächst Landau das Territorialrecht mit der Folge, für Straßenpflaster und den Bau und die Unterhaltung der Stadtmauer die hiesigen Steinbrüche zu nutzen, Frondienst einzuführen und das Gericht zu besetzen.
Als die Territorialherrschaft auf die Herzöge von Zweibrücken überging, nahmen die Streitigkeiten mit Landau um dieses wichtige landesherrliche Recht kein Ende.
Erst 1538 verkaufte die Stadt, des ewigen Zankes müde und auch als schwächster Teil, ihre Rechte und Besitzungen in Albersweiler für 400 Gulden an Pfalz-Zweibrücken mit dem einzigen Vorbehalt, zum Unterhalt des Straßenpflasters aus den Hartsteinbrüchen unentgeltlich Steine holen zu dürfen.

Die Bedeutung und Stellung der Gerichte
lässt sich an folgenden Beispielen aufzeigen: Um 1665 wurde das Versäumen des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes sehr streng bestraft. Später fielen darunter auch die Sonntagsentheiligung, Musik in der Fasten- und Adventszeit und das Versäumnis des Schulunterrichts und der Christenlehre. Auf „fleischlichen“ Vergehen stand Gefängnisstrafe und das Tragen des „Lastersteins“, bei Unredlichkeit wartete das „Narrenhäuslein“. 1760 erkannte der Fürst von Löwenstein die Todesstrafe auf einen Diebstahl von 5 Gulden, 1599 ward der alte Glöckner und Schulmeister, „so ein sonderlicher Flucher und Lästerer war“, für 14 Tage in den Turm gesperrt. Scharfe Bußen wurden ausgesprochen über Unfug und Völlerei bei der Kirchweih und unmäßigem Aufwand bei Hochzeiten und Kind- taufen. Von 1682 an stand auf Tanzen an Sonn- und Feiertagen die Strafe von 20 Talern.
Eine hohe Strafe zahlte auch jede Weinfuhre in den anderen Ortsteil, wenn nicht vorher das Lagergeld (Steuer) von einem Gulden 30 Kreuzern bezahlt war.

Die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse
konnten sich dank der segensreichen Einflüsse des Klosters Eußerthal, der günstigen Bodenverhältnisse und des Besitzes der Haingeraide (= Waldrecht, nach der Volkssage ein Geschenk des fränkischen Königs Dagobert II. an die Bauernschaft) günstig entwickeln. Besonders dieser Waldbesitz war ein starker Rückhalt für
das Freiheits- und Selbständigkeitsgefühl der Bauern. 1826 wurde die Geraidegenossenschaft durch das Zweibrücker Appellationsgericht aufgelöst, der Besitz abgeschätzt und nach dem Verhältnis der Feuerstellen auf die einzelnen Gemeinden verteilt. Albersweiler und St. Johann, als eine Gemeinde, zahlten für ihren Anteil 72655 Gulden. Der Wald bildete fortan die Vermögensgrundlage der Gemeinde.

Die Landwirtschaft hatte sich gut entwickelt
In dem 1489 erschienenen „Buch von den Früchten“ spricht man von ganzen Waldungen von Obstbäumen, auch lobt man die Gegend um Albersweiler und den Geilweilerhof als eine der schönsten und gesegnetsten Landschaften.
Die Grenze zwischen Löwensteiner und Zweibrücker Herrschaft erwies sich als sehr großes Hindernis für Wirtschaft und Entwicklung, kaufte z. B. jemand einen Weinberg auf der anderen Seite, so musste jener jährlich für jedes geerntete Fuder Wein 1 Gulden 30 Kreuzer als Steuer zahlen. Von großem Vorteil für die Dorfgemeinschaft war die Allmende (Feld- und Waldgemeinschaft der Dorfgenossen) an der jeder Anteil hatte, der eine selbständige Haushaltung besaß.
Heute noch bestehende Gewannenamen wie: Katzenstein, Siebenmorgen, am Satz, Laibach, Dachsberg, Schank, findet man bereits im Mittelalter. Steuern und Abgaben an die Territorialherren bestanden aus Fronleistungen, Naturalien und später in Geld.

Die Dorfstraßen
waren gepflastert, da man das Material am Ort hatte. Sie führten zu den ca. 100 Häusern, die im Mittelalter durchgängig von etwa 500 Menschen bewohnt waren. Straßen, Feldwege und Ortseingänge waren mit Marterstöcklein versehen, in der Nähe der ehemaligen Ziegelei stand ein „Heiligenhäuslein“ (Kapelle). Soweit sich Gelegenheit dazu bot, ließen es sich die Einwohner gut gehen und feierten ihre Familienfeste, wie sie fielen. So weiß ein Kirchenprotokoll zu berichten, dass bei einer Hochzeit 20 Tische mit Speisen und Getränken voll beladen waren und Kindtauffeiern oft mehrere Tage dauerten. In schwerer Krankheit halfen die Eußerthaler Mönche als physici, auch unterhielten sie eigene Spitäler.
Diesem guten Leben fehlten aber auch die Schattenseiten nicht. Ab dem 14. Jahrhundert wurde die Bevölkerung immer wieder von der Pest heimgesucht, die allein im Jahre 1610 in Albersweiler 120 Menschen dahinraffte.

Kriegsunruhen
und Bandenunwesen taten ein übriges und versetzten die Menschen nicht selten in Angst und Schrecken. Der mit grauenhafter Roheit geführte Krieg zwischen Kurpfalz und Pfalz-Zweibrücken (1455—1470) vertiefte bei den Bauern den Hass auf die Fürsten, der später im Bauernaufstand zu hellen Flammen aufschlug. Die Bauernschaft der Haingeraide, zumal die hiesige, wird als selbstbewusstes, reiches, aber auch rohes und genusssüchtiges Volk beschrieben, das nur seinen Besitz und sein Vermögen kannte, nichts über sich erkennen wollte und Abgaben hasste. 1462 beklagte sich der Pfarrer, dass man ihm seit 19 Jahren die üblichen Abgaben vorenthielte und seine Forderungen mit den unflätigsten Beschimpfungen bedacht wurden. Beim Bauernaufstand, an dem sich auch die Albersweilerer beteiligten, wurden die meisten Burgen und Klöster der Umgegend zerstört.


Im Dreißigjährigen Krieg (1618—1648)
wurde der zweibrückische Teil von Albersweiler bis auf zwei Häuser niedergebrannt, die Einwohner flohen auf den Trifels, 57 Menschen starben. St. Johann und der löwensteinische Teil blieben zunächst verschont, weil der Graf kaiserlicher General war.
Von 1625—1633 wurde der Ort mehrmals von der Pest heimgesucht, die meisten Einwohner starben. Alle gesellschaftlichen Ordnungen lösten sich auf, von 1634—1636 wurde kein Kind getauft, die Überlebenden waren in die Wälder geflohen und erst nach und nach wurde der Ortsbereich wieder besiedelt. Es herrschte Teuerung, Gras, Wurzeln, Beeren und Früchte bildeten die Grundlage der Ernährung, viele Menschen verhungerten. 1645 wohnte auf Zweibrücker Seite niemand mehr, auf der löwensteinischen Seite zählte man 1647 noch 10 Personen. Das allgemeine Elend dauerte noch über den Westfälischen Frieden (1648) hinaus.


Das religiöse Leben
war, wie die Gemeinde weltlicherseits, zwei Pfarreien unterstellt. Die löwensteinische Seite war in die in nächster Nähe gelegene uralte Pfarrei St. Johann eingegliedert, die zum Bistum Speyer und dem Dekanat Weyher gehörte. Um 1560 führte Graf Ludwig von Löwenstein, einem fürstlichen Befehl folgend, Luthers Lehre ein, hob die Pfarrei sowie das St. Johanner Nonnenklösterchen auf und zog die Einkünfte für sich ein. Die Besorgung der geistlichen Bedürfnisse übertrug er dem lutherischen Pfarrer von zweibrückisch Albersweiler. 1589 wurde zweibrückisch Albersweiler calvinisch (reformiert). Die löwensteinischen Grafen gründeten daraufhin für ihre Herrschaft in St. Johann eine lutherische Pfarrei, die jedoch in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges unterging. Unterdessen waren die löwensteinischen Grafen katholisch geworden. Sie setzten einen kath. Pfarrer ein und machten aus der Kirche in St. Johann eine Simultankirche.


Die Pfarrei auf Zweibrücker Seite
geht urkundlich auf das Jahr 1299 zurück, sie gehörte zum Bistum Speyer und dem Dekanat Herxheim. Die Einführung der Reformation in der hiesigen Gemeinde und in den umliegenden Orten vollzog sich nicht einheitlich und das Für und Wider prallten oft heftig aufeinander. Erst mit der Veröffentlichung einer landesherrlichen Kirchenordnung durch Herzog Wolfgang im Jahre 1552 wurde die lutherische Konfession verpflichtend. Wiedertäufer und Ketzer sollten an die Kanzlei in Zweibrücken abgeführt werden. Die Benutzung von Weihwasser und das Wallfahren wurden verboten. Nach 1622 wurde die Pfarrei in eine reformierte umgeändert. Erst wieder 1735, mit Unterstützung des Herzogs und der Schulzen Flocken und Metzger, erhielt das Dorf wieder eine lutherische Gemeinde.
1736 wurden eine Kirche und Schule errichtet. Die Kirche diente ab 1818, nach der Union der lutherisch und reformierten Gemeinde, Gemeindezwecken, ward 1880 abgerissen und an ihrer Stelle der Marktplatz und das Feuerspritzenhaus errichtet. 1768 zählte die lutherische Pfarrei insgesamt 42 Familien.
1588 verfügte Wolfgangs Nachfolger die Annahme der calvinischeu Lehre (Reformierter Kirche). Die Gemeinde tat sich aber schwer mit deren Prädikanten (Hilfsprediger), so dass viele in die lutherische Pfarrei auf löwensteinische Seite übersiedelten. Mit der Einführung des calvinischen Sittengerichts steigerten sich die Spannungen zwischen Reformierten und Lutheranern noch mehr. Ende des Dreißigjährigen Krieges siedelten sich auf Betreiben des Herzogs reformierte Bewohner an, Katholiken und Lutheraner blieben ausgeschlossen, mit der Folge, dass nur Reformierte in den Besitz von Grund und Boden kamen und so zu bedeutendem Vermögen gelangten. Die reformierte Gemeinde umfasste 1768 insgesamt 158 Familien. Die kath. Pfarrei wurde um das Jahr 1540 aufgelöst und nur wenige kath. Familien lebten bis nach dem Dreißigjährigen Krieg in Albersweiler und Kanskirchen und den benachbarten Orten. Um dem kath. Glauben wieder Eingang zu verschaffen
errichtete der Bischof von Speyer 1631 zunächst in Queichhambach, da Albersweiler zu drei Viertel zerstört war, eine kath. Pfarrei. In dem allgemeinen Elend, das nach dem Kriege noch lange fortdauerte, tat sich die Gemeinde sehr schwer. Erst ab 1673 wurde es für die kath. Religionsausübung besser. Ein Grund dafür war die wachsende Macht Frankreichs, das den Rhein als östliche Staatsgrenze forderte. Der Herzog wagte sich angesichts dieser Situation nicht mehr, die Katholiken weiter zu unterdrücken. Als dann Ludwig XIV. den Krieg erklärte und 1679 das Herzogtum Zweibrücken besetzte, nahmen die löwensteinischen Grafen, die bereits 1622 kath. geworden waren, dies zum Anlass, die kath. Religion als herrschend zu erklären.
1674 wurde die lutherische Pfarrkirche, die jetzt Herrschaft St. Johann hieß, in eine rein katholische umgewandelt.
In die Zeit der französischen Herrschaft (1673—1697) fiel der Bau der Festung Landau. Zur Herbeischaffung des benötigten Materials wurde der Kanal gebaut, der am westlichen Ortsende, wo eine Schließe war, seinen Anfang nahm.
Der Kanal war im Durchschnitt etwa 12 Meter breit und 2 Meter tief. Im Gefolge der Bautätigkeit an Kanal und Festung siedelten auch zahlreiche Familien nach Albersweiler, darunter viele Katholiken, mit der Folge, dass deren Zahl die der Protestanten bei weitem überstieg. Entgegen dem früheren praktizierten landesherrlichen Reformationsrecht („Cuius regio, eius religio“) tolerierten die Franzosen die übrigen Konfessionen weitgehend und verfügten, dass, wenn nur eine Kirche vorhanden war, diese simultan werde, ebenso wurden die Kirchhöfe und Kirchengüter geteilt.
Die Pfarrei St. Johann wurde aufgehoben und eine eigene 1684 in Albersweiler gegründet. Ihre Kirche war die auf dem Berge, sie hatte einen Kirchhof und wurde zusammen mit dem Grundbesitz (Pfarrgut) der Pfarrei zum Eigentum übergeben. Im Rijswijker Frieden (1697) gaben die Franzosen das Herzogtum wieder zurück, die seitherigen Rechte der Katholiken wurden in einem Protokoll fest- geschrieben und Graf Löwenstein wurde Patronus des kath. Teils der Bevölkerung. Die Zahl der Katholiken in zweibrückisch und löwensteinisch Albersweiler mit St. Johann war im Jahr 1768 etwa 680. In der Pfarrei, dazu gehörten noch Bindersbach, Ramberg, Dernbach, Auf dem Steigert, Frankweiler und Queichhambach, waren es insgesamt etwa 1540 Seelen.
Im Ort gab es somit 3 christliche Gemeinden und die Kirchen St. Johann (Johannes-Kirche), die lutherische Kirche in der Ortsmitte und die Bergkirche.
Ein Beispiel gut nachbarlichen Zusammenlebens datiert aus dem Jahre 1804. Die Kirche in St. Johann war baufällig geworden, aber die kath. Gemeinde war nicht in der Lage, in dem von den Franzosen besetzten Dorf die erforderlichen Geldmittel für eine bauliche Sanierung aufzubringen. Man bat die protestantischen Mitbewohner um Hilfe. Nachdem die Ernte eingebracht war, wurde in beiden protestantischen Kirchen, bei den Reformierten in der Bergkirche, den Lutheranern in der Dorfkirche und in den Häusern für die kath. Kirche in Kanskirchen gesammelt.


Die alte Pfarrkirche
stand an der gleichen Stelle, wo heute die prot. Kirche steht. Sie galt als eine der ältesten Kirchen unseres Gebietes und wurde wohl um das Jahr 1000 erbaut, hieß Bergkirche und war dem hl. Stephanus geweiht. Die Unterhaltspflicht oblag dem Patronatsherrn, dem Herzog von Zweibrücken, mit Ausnahme des Turmes und der Kirchhofmauer, für deren Unterhaltung die polit. Gemeinde zu sorgen hatte. 1537 war sie lutherisch geworden, ab 1684 wieder katholisch, dann ab 1698 ein Simultaneum, das bis zu ihrem Abriss (1843) dauerte.
Die Zeit der simultanen Nutzung verlief nicht immer in Harmonie. Wiederholt kam es zu Streit, der oft in Tumulten und Tätlichkeiten ausartete.
Seit ihrer Erbauung wurde die Kirche wegen Baufälligkeit mehrmals erneuert, erweitert und renoviert und war bedeutend kleiner als die heutige Bergkirche.
Ihr Inventar war nach all den Plünderungen und Requisitionen äußerst bescheiden, sie hatte einen Hochaltar (dem Kirchenpatron Stephanus geweiht) und zwei Seitenaltäre (der Muttergottes und dem hl. Nikolaus geweiht), jedoch keine Orgel. Sie ist letzte Ruhestätte des Neukastler Vogts Hermann v. Sickingen und einiger Pfarrer.
Das Kirchlein in St. Johann stand noch bis zum Jahre 1843, es wurde damals für baufällig erklärt und abgerissen, die Einrichtung wurde an umliegende Gemeinden verkauft: der Hochaltar nach Eußerthal, die Kreuzesgruppe und der Kelch kamen in die neue Stephanuskirche, die Kanzel nach Eschbach, der Kirchenstuhl der Scharfenecker nach Ranschbach, das Glöckchen wurde in die Glocken der neuen Kirche eingeschmolzen, ein kostbares Messbuch kam in den Speyerer Domschatz. Bei den 1991 begonnenen Ausgrabungen wurden die Grundmauern der Kirche freigelegt. Ein 1995 gegründeter Förderverein wird künftig die Ausgrabungsarbeiten an dieser historischen Stätte finanziell unterstützen.


Von der Französischen Revolution bis zum Neubau der Kirche
Neues Unheil drohte dem Dorf als 1792 das französische Revolutionsheer in die Pfalz einrückte. Zahlreiche Ortschaften unterwarf en sich den neuen Ideen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und wandten sich von ihrer Herrschaft ab. Albersweiler blieb zunächst der alten Ordnung treu.
Als dann die Franzosen 1793 auch hier einrückten, hoben sie sofort das Dorfgericht auf, errichteten eine Bürgermeisterei (Mairie), eine Polizeiadjunktur und ein Friedensgericht. Es erging ferner die Anweisung, dass jeder erschossen werde, der etwas an Hab und Gut verberge. Eine bereits angeordnete Plünderung konnte aber durch den engagierten Einsatz zweier Bürgerinnen im letzten Moment abgewendet werden. Nach dem Friedensschluss zwischen Osterreich und Frankreich (1797) verblieb die Pfalz bis 1815 bei Frankreich, 1816 wurde sie bayerisch. Albersweiler wurde Marktflecken und dem Kanton Annweiler und dem Landkommissariat Bergzabern zugeteilt. Seit 1793 bildete Albersweiler mit St. Johann und der Ziegelhütte eine Bürgermeisterei, deren Einwohner sich von Wein- und Ackerbau, Arbeit im Steinbruch, Handel und Gewerbe ernährten.
Mit dem Einrücken des Revolutionsheeres kam nahezu alles religiöse Leben zum Erliegen. Das Spenden der hl. Sakramente war nur unter Lebensgefahr möglich. Erst nach Abschluss eines Konkordats zwischen Napoleon und Pius VII. (1802) änderte sich die Situation. Die kath. Religion wurde Landesreligion, die Pfarrer wurden von den Bischöfen ernannt. Bis 1808 gehörte Birkweiler zur hiesigen Pfarrei, auch Eußerthal wurde mit der hiesigen Pfarrei vereinigt und blieb es bis 1863.
1817 wurde das Bistum Speyer wiedererrichtet, die Unterschiede zwischen den Pfarreien wurden aufgehoben, alle Pfarrer erhielten die gleichen Rechte und Pflichten. Das Präsentationsrecht (Vorschlagsrecht) wurde zwischen dem Bischof und dem König von Bayern aufgeteilt bzw. abwechselnd wahrgenommen. Albersweiler war seit 1818 königlicher Präsentation.
Mit dem Einrücken des französischen Revolutionsheeres wurden die wirtschaftlichen Verhältnisse von Grund auf geändert. Die Zehntabgaben an die Feudalherren wurden abgeschafft, dafür aber Kontributionen an die Besatzungsmacht eingeführt, hinzu kamen noch Beschlagnahmungen von Wirtschaftsgütern, Plünderungen und andere Gewalttaten. Armut und Teuerung kennzeichnen den Beginn des vorigen Jahrhunderts. Der Erwerb bzw. Bau der beiden Schulhäuser in der Siebenmorgen- und Queichstraße mit Lehrerdienstwohnungen fällt in die dreißiger Jahre. Das Haus im Siebenmorgen wurde am 29. 12. 1944 durch Bomben zerstört. 1951 wurde dieses ehemalige kath. Schulhaus wieder aufgebaut und seiner Bestimmung übergeben. Das ehemals protestantische Schulhaus in der Queichstraße wurde nach dem Einzug in die neue Schule auf der Lehr zunächst gewerblich genutzt (Stepperei), dann verkauft und darin eine Näherei eingerichtet.
Um die endlosen Streitigkeiten um die Benutzung der Bergkirche ein Ende zu setzen, beschloss die Gemeindeverwaltung im Jahre 1841 zwei Kirchen zu bauen. Die finanziellen Grundlagen dafür lieferten die Erlöse aus dem gut bewirtschafteten Gemeindewald. Es dauerte aber noch einige Zeit bis man sich auf die Bauplätze geeinigt hatte. Über das weitere Geschehen um den Bau der neuen Kirche und ihre Ausstattung soll an anderer Stelle berichtet werden.
Der Bau der neuen Kirche fällt in eine Zeit politischer Veränderungen und eines wirtschaftlichen und sozialen Umbruchs. So blieb auch unser Dorf von den revolutionären Ereignissen 1848/49 nicht unberührt. Das Fehlen von Lohnarbeit trieb viele Menschen in die Arbeitslosigkeit, in Not und Armut. Zum Hunger kam der Typhus, wiederholt musste die Gemeinde Suppenküchen einrichten, das Betteln der Kinder nahm überhand. In dieser Situation sahen zahlreiche Einwohner nur den einen Ausweg, nämlich die Auswanderung nach Amerika.
Um die Mitte der fünfziger Jahre des 19. Jh. musste der seitherige Friedhof (im Bereich der heutigen Friedhofstraße) geschlossen werden. Am Heerweg wurde daraufhin der neue angelegt und darauf ein Steinkreuz errichtet. 1952 wurde die Leichenhalle erbaut.
Der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 hatte auf das örtliche Geschehen nur geringen Einfluss und bereits nach einem Jahr waren die Albersweiler Soldaten wieder daheim, ein Kriegsteilnehmer war im Lazarett gestorben. Die Auswanderung nach Amerika hielt weiter an, 1871 waren es 14 Personen, im gleichen Jahr starben in unserem Dorf 33 Kinder an den Masern.
Mit der Eröffnung der Eisenbahnstrecke Landau—Zweibrücken, 1874/75, wird Albersweiler an das Eisenbahnnetz des Landes angeschlossen. Ihr Bau brachte der Gemeinde und ihren Bewohnern einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Schottermaterial für die Bahnstrecke wurde in den hiesigen Steinbrüchen gewonnen, die bereits 1310 erwähnt und in der Zeit des Landauer Festungsbaues, um 1687 ihren ersten größeren Abbau erlebt hatten. Bis nach dem zweiten Weltkrieg wurde das in den Brüchen gewonnene Material zu einem großen Teil mit der Bahn verfrachtet, für viele Einwohner wurde das neue Verkehrsmittel unentbehrlich.
1875 wird im ehemaligen Gasthaus zum Löwen, das von Anfang an Sitz des löwensteinischen Wirtes war, eine Apotheke eingerichtet. 1877 erhielt die jüdische Gemeinde ihre neue Synagoge in der Kirchstraße. Die erste stand in der Hohlstraße (damals Frankweilerstraße). Sie wurde abgerissen und an ihrer Stelle die israelische Volksschule erbaut, die jüdischen Einwohner waren in ihrer Mehrzahl Händler und Geschäftsleute. Die Ausschreitungen in der sogenannten Reichskristallnacht, 1938, waren für unsere jüdischen Mitbürger der Anfang eines Leidensweges in Flucht, Deportation und Tod. Die Synagoge wurde in dieser Zeit der Verfolgung zerstört und abgetragen. Eine Gedenktafel erinnert an ihren Standort.
Der Übergang in die achtziger Jahre des 19. Jh. ist gekennzeichnet durch Missernten, die wirtschaftlichen Verhältnisse sind gedrückt, im Dorf herrscht Not. Zu einem Hoffnungsschimmer wird 1881 die Gründung der Zündholzfabrik, die dann über acht Jahrzehnte zahlreichen Einwohnern Arbeit und Brot gab.
1885 ist das Gründungsjahr des kath. Kirchenvereins (Cäcilienvereins).
1886 beendete Pfarrer Ludwig Thum seine Chronik, ein grundlegendes und umfassendes Werk zur kirchlichen und politischen Geschichte unseres Dorfes und von St. Johann. Im Jahr 1883 zählte die Gemeinde 799 Katholiken, 1176 Protestanten und 214 Juden, zusammen 2189 Einwohner.
1891 gab es in Albersweiler bereits drei Fabriken, trotzdem blieben viele Einwohner ohne Arbeit und Einkommen und waren auf Tagelohn angewiesen. Hinzu kamen Jahre mit strengen Wintern und Missernten, die das Einkommen der Bewohner schmälerten und Familien in Not brachten. So scheint es nicht verwunderlich, wenn Schulabgänger das Geldverdienen dem Erlernen eines Handwerksberufes vorziehen, zumal Lehrlinge damals noch keine Vergütung erhielten.
1895 ist das Gründungsjahr des TuS Albersweiler.
Die Versorgung des Dorfes mit Trinkwasser geschah seither über hauseigene Brunnen und Gemeindebrunnen (Rohrbrunnen). 1910 wurde dann eine Wasserleitung gebaut, an die alle Häuser angeschlossen wurden. Sie wird aus den Quellen im Hinterwald, in St. Johann und aus dem Tiefbrunnen an der Eußerthaler Straße (seit den sechziger Jahren) gespeist.
1910 wird der Pfälzerwaldverein gegründet, 1912 der Arbeiterbildungsverein.
1913 ging in Albersweiler die Zeit der Öllichter und Petroleumlampen zu Ende, der Ort wird an das Stromnetz angeschlossen.
Die weltpolitische Lage indes hatte sich durch das Streben der damaligen Großmächte nach wirtschaftlicher, politischer und militärischer Vorherrschaft so zugespitzt, dass eine kriegerische Auseinandersetzung unausweichlich wurde. 1914 brach der erste Weltkrieg aus. An seinem Ende, 1918, beklagte unsere Gemeinde 74 Gefallene und 11 Vermisste.
Mit dem Bau des Schwesternhauses, neben der Kirche, wird im Jahr 1921 begonnen. Es werden eine Krankenpflegestation und ein
Kindergarten mit eingeplant und bereits ein Jahr später eröffnet. Die beiden größten Kirchenglocken, die 1917 abgenommen und zu Kriegsmaterial eingeschmolzen wurden, werden neu angeschafft und durch Bischof Ludwig Sebastian geweiht. Die protestantische Kirchengemeinde erhält 1922 ihre neuen Glocken.
Am 1. Advent 1921 wird zum Andenken an die Gefallenen und Vermissten des Krieges 1914—1918 das Kriegerdenkmal an der Hauptstraße eingeweiht.
1921 ist auch das Gründungsjahr des Männergesangvereins. Die zwanziger Jahre bleiben nicht frei von politischen und wirtschaftlichen Turbulenzen. Die Ereignisse des Jahres 1923 machen viele Hoffnungen auf eine wirtschaftliche Erholung und Stabilität zunichte. Eine Geldentwertung bringt für viele den Verlust aller Ersparnisse und hat eine große Armut im Dorf zur Folge.
Der Versuch, die Pfalz vom Reich loszutrennen, führte auch hier zu Gewalttaten der Separatisten. Der passive Widerstand der Eisenbahner führte dazu, dass alle fahrplanmäßigen Züge ausfielen und somit das wichtigste Verkehrsmittel lahmgelegt wurde. Als Gegenreaktion wurden 1924 durch die Besatzungsmacht 50 Familien aus unserem Dorf in das nichtbesetzte rechtsrheinische Gebiet ausgewiesen. Recht und Ordnung gerieten immer mehr ins Wanken, Gesetzesübertretungen nahmen stark zu.
Naturgewalten überziehen unser Dorf am 29. Mai 1927 mit einem verheerenden Unwetter mit Überschwemmungen von bisher nie gekanntem Ausmaß.
Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise haben 1929 auch die hiesige Gemeinde erreicht und bringen hier fast das gesamte Wirtschaftsleben zum Erliegen, im Dorf gibt es über 200 Arbeitslose und die Folgen des strengen Winters von 1928, in dem tausende Rebstöcke erfroren, verschärfen die wirtschaftlich soziale
Lage noch mehr. Politische Wirren, Rezession und Arbeitslosigkeit kennzeichnen das Geschehen Anfang der dreißiger Jahre.
1933 übernehmen die Nationalsozialisten die politische Macht. Es erfolgt die Gleichschaltung des Gemeinderates, die Vertreter der demokratischen Parteien wurden ausgeschlossen, Ortsstraßen werden nach Parteigrößen umbenannt, ein 8. Schuljahr eingeführt. Die beiden konfessionellen Schulen werden 1937 Gemeinschaftsschule.
Am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. Für die meisten nicht überraschend, denn schon lange vorher haben der Bau der Westwallbunker in unserer Gemarkung und die Einquartierung von Soldaten das kommende Unheil erahnen lassen. 1942 wurden aus jeder Kirche die beiden größeren Glocken abgenommen und zu Kriegsmaterial eingeschmolzen.
Die beiden letzten Kriegsjahre waren besonders schlimm. Mit dem Näherrücken der Front nahmen die Luftangriffe ständig zu. Ursache dafür war ein im Bahntunnel abgestelltes schweres Eisenbahngeschütz, das in der Dunkelheit sein Stützpunkt verließ und in das Kampfgeschehen im Elsass eingriff. Mit Jabos und schweren Bombern griffen die Amerikaner immer wieder an, das eigentliche Ziel wurde nicht getroffen, dafür aber eine große Anzahl von Wohnhäusern zerstört und kaum ein Haus blieb unbeschädigt. Unter der Bevölkerung gab es Tote und Verletzte, die meisten Einwohner hatten das Dorf verlassen und im Steinbruchtunnel, leer stehenden Bunkern und in den umliegenden Wäldern Zuflucht gefunden. Am 22. 3. 1945 wurde das Dorf kampflos den von Annweiler her einrückenden Amerikanern übergeben. Für die Einwohner war damit der Krieg zu Ende, der Wiederaufbau begann und nach wenigen Jahren waren die meisten Schäden wieder behoben. Die amerikanische Besatzung wurde schon nach wenigen Wochen von einer französischen abgelöst, die seit dem Einmarsch verfügte Ausgangs- sperre wurde fortgesetzt.
Die Gemeinde hat im Zweiten Weltkrieg 118 Tote und 49 Vermisste zu beklagen.
Ab September 1945 gab es mit der „Rheinpfalz“ wieder eine Tageszeitung im Dorf, Anfang 1946 wurden wieder politische Parteien zugelassen, so die kommunistische (KPD), die sozialdemokratische (SPD) und die christlich demokratische Union (CDU). Nach mehreren Provisorien wurde am 30. 8. 1946 auf Anordnung des franz. Generals König das Land Rheinland Pfalz geschaffen, das sich eine Verfassung gab und am 18. 4. 1947 den ersten Landtag wählte. Mit dem Kriegsende war die Reichsmark als seitherige Währung nahezu wertlos geworden, der Tauschhandel blühte. Am 20. Juni 1949 wird die Reichsmark entwertet, die Deutsche Mark wird neue Währung, 100 RM entsprechen nun 6,50 DM, für Sparguthaben und entspr. Versicherungen gilt das gleiche.
Am 13. 9. 1949 erhält die Stephanuskirche ihre neuen Glocken. Die Weihe durch Bischof Wendel wird zu einem Festtag für die ganze Gemeinde. Im gleichen Jahr wird das Steinkreuz auf der Anhöhe nach Frankweiler mit einer feierlichen Prozession eingeweiht. Es wurde von der Stifterfamilie zum Andenken an den in Russland gefallenen Sohn und Bruder und die Gefallenen der Gemeinde errichtet.
1950 erhält die Bergkirche ihre neuen Glocken, deren Schlag- töne sind auf die der kath. Kirche abgestimmt. Die ersten Heimatvertriebenen werden hier eingewiesen.
1951 beginnt die Gemeinde mit dem Bau der Kanalisation. Im Zuge dieser Baumaßnahmen stößt man in der Hauptstraße, in ca. 1,50 Tiefe, auf die Überreste einer alten Straße. Anfang Mai 1953 erfrieren in der ganzen Gemarkung die Weinberge, mit Ausnahme der höheren Lagen. Auf der Lehr wird der neue Sportplatz gebaut, der alte am Geilweilerhof wird aufgegeben.
Im gleichen Jahr kann Pfarrer Christoph Reißinger in das neue Pfarrhaus einziehen, das alte Pfarrhaus (seit 1784) wird an die politische Gemeinde verkauft. Nur kurze Zeit war es dem Pfarrer vergönnt, in dem neuen Haus zu wohnen, er verstarb am 20. 4. 1954 und wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Rödersheim beigesetzt.
1955 erhält die Gemeinde eine Ortsrufanlage, die vom Bürgermeisteramt aus bedient wurde. Die Einnehmerei kommt in das neue Dienstgebäude, das die Gemeinde an der Stelle errichtet hatte wo das alte Postamt stand, das 1944 durch Bomben zerstört wurde. Zu Beginn des Jahres 1958 herrscht im Dorf Wassernot. Der Verbrauch an Trinkwasser ist höher als die Schüttmenge der Quellen.
1959 findet auf dem Platz bei der Turnhalle das erste Weinfest statt, eine qualitativ überaus gute Weinernte belohnt der Winzer Mühe und Arbeit. Nach dreijähriger Bauzeit kann 1960 das neue Schulhaus auf der Lehr eingeweiht werden.
Die Volkszählung 1961 ergibt für Albersweiler folgendes Ergebnis: Einwohner 2606, Wohnhäuser 554, Haushaltungen 820 und Arbeitsplätze 134.


Am 16. Juli 1961 ist die Patenschaftsfeier mit Abreschwiller in Lothringen. Die hier seit Jahrzehnten bestehende Gendarmeriestation wird 1964 aufgelöst und in die von Annweiler eingegliedert. 1966 sorgt „Der Schulstreit von Albersweiler“ für Aufregung und erhitzt die Gemüter. 1968 wird die kath. Bekenntnisschule aufgehoben, alle Schüler besuchen nun die christliche Gemeinschaftsschule.
Die seit Jahrhunderten bestehende Landnot und Enge, die Zersplitterung des Grundbesitzes und seine intensive Bewirtschaftung bis in die unmittelbare Nähe des Dorfes hatten bisher eine Randbebauung und somit auch eine bauliche Auflockerung des Dorfbildes verhindert. 1966/6 7 beginnt die Dorferweiterung mit der Erschließung von Baugelände im „Vorderen Großthal“ und „Häck“, denen nach und nach weitere „Im Satz“ und „Auf der Lehr“ folgen.
1969 kann das Dorf auf eine nahezu tausendjährige Geschichte zurückblicken. Für die Gemeinde war dies Anlass zur Drucklegung des Werkes: „Albersweiler — Beiträge zur tausendjährigen Geschichte eines pfälzischen Dorfes“ von Pfarrer Karl Hamm, als Zeichen der Dankbarkeit für die in vielen Jahren zusammengetragenen Daten und Fakten zur Geschichte unseres Dorfes. Eine weitere Ehrung erfährt der Autor im Jahre 1989 mit der Widmung des inzwischen durch den Ankauf des ehemaligen Benz‘schen Anwesens erweiterten Postplatzes in „Pfarrer-Hamm-Platz“. Um das Gebiet bei der ehemaligen Ziegelei Merkel, in der Kolchenbach wieder einer sinnvollen Nutzung zuzuführen, beschloss die Gemeinde, dort ein Gewerbegebiet auszuweisen. 1971 wird hierzu die Genehmigung erteilt.
Seit der Verwaltungsreform im Jahre 1972 gehört Albersweiler zu neugebildeten Verbandsgemeinde Annweiler, die anstelle der Ortsgemeinde nunmehr einen Großteil der Selbstverwaltungsaufgaben wahrnimmt. Mehr als fünf Jahrzehnte segensreichen Wirkens der beiden konfessionellen Krankenpflegestationen und Kindergärten gehen zu Ende, Personalmangel zwingt die Träger, diese Einrichtungen zu schließen. 1975 verpflichtet sich die Gemeinde daher zum Bau eines kommunalen Kindergartens auf der Lehr.
Nach der Auflösung der Schwesternstation und des Kindergartens entscheidet sich die Pfarrei für einen Umbau des Gebäudes zu einem Pfarrheim. Im ehemaligen Kindergarten werden ein Saal und eine Küche eingerichtet im ehemaligen Schwesternhaus werden zwei Tagungsräume eingerichtet, darüber eine Mietwohnung. Am Christkönigsfest des Jahres 1980 erfolgt die Einweihung.


Nach Ausräumung mehrerer Widersprüche gegen den geplanten Weiterbau der neuen B 10, Ortsumgehung Albersweiler, können 1978 die Arbeiten vergeben werden. Eine Flurbereinigung im Bereich der Trasse scheitert wegen angeblicher Geländeschwierigkeiten (Erdrutschgebiet). Mit dem Schuljahr 1980/8 1 werden die Oberstufenklassen der hiesigen Schule in die Hauptschule Annweiler eingeschult. Am Ort bleiben nur noch die Klassenstufen eins bis vier.
1980 lässt die Gemeinde den alten Festplatz im Großthal herrichten und zum Grillplatz ausbauen. In das Jahr 1981 fällt der Bau der Tennissportanlage auf der Lehr durch den TC, und bereits 1983 ist das vorgesehene Clubhaus bezugsfertig.
Am 11. 7. 1984 richtet ein Orkan landesweit verheerende Schäden an. Neben vielen Gebäuden sind vor allem die Wälder betroffen. Allein im Hinterwald sind 7,5 ha total und 7,3 ha stark geschädigt, 4500 Festmeter Holz liegen am Boden.
„Die Autos sin mer endlich los ...“ lautet die Überschrift zu einem Artikel in der „Rheinpfalz“ vom 7. 12. 1984 anlässlich der Eröffnung der Ortsumgehung der B 10, sie wurde zu einem Freudenfest für die ganze Gemeinde. Nach einem Beschluss des Gemeinderates wird 1986 der Brunnen auf dem Dorfplatz neu gestaltet, dazu finden Steinblöcke aus dem hiesigen Bruch Verwendung.
Das Studienhaus der BASF — 1764 als Amtshaus der Löwensteiner begründet (Kanskircher Schloss), danach Gutshaus in Privatbesitz, seit 1913 im Besitz der BASF im ersten Weltkrieg Verwundetenstation, danach Erholungsheim für Werksangehörige — wird 1987 umgebaut und erweitert. (Der große Parkplatz an der Schlossstraße wird zur Tausendjahrfeier des Ortsteils 1991 fertiggestellt). Im gleichen Jahr erfolgt die Auftragsvergabe zur Vorplanung des Baues der neuen Sporthalle durch die Gemeinde.
1987/88 wird die Leichenhalle durch einen Anbau für 80 Sitzplätze erweitert. Das Weinbaukataster der hiesigen Gemeinde verzeichnet 1988 nur die beiden Lagen „Latt“ und „Kirchberg“. Auf Antrag der Bauern- und Winzerschaft wird der Lagenamen Kirchberg gestrichen, der Lagenamen Latt gilt nunmehr für die ganze Gemarkung. Seit 1990 hat Albersweiler eine neue Gemeindeflagge.
Am 11. 1. 1991 geht der Friedhof an der Schloßstraße, die letzte Beerdigung fand 1969 statt, aus dem Besitz der kath. Kirchengemeinde unentgeltlich in Besitz der politischen Gemeinde über, die seine Schließung veranlasst und danach eine Verbreiterung der Schloßstraße in diesem Bereich vornimmt.


1991: der Ortsteil St. Johann wird 1000 Jahre alt! Die Gemeinde feiert das Jubiläum vom 2.—12. August mit einem historischen Umzug, verschiedenen Veranstaltungen im großen Festzeit auf dem Sportplatz und nachgestellten Szenen handwerklichen Schaffens und häuslichen Lebens in alter Zeit. Tausende Besucher aus nah und fern sind von den Darbietungen begeistert.
Die ursprünglich als Sporthalle geplante Mehrzweckhalle mit Feuerwehrgerätehaus soll 1995 fertiggestellt und zur Benutzung freigegeben werden. Die Baukosten belaufen sich auf fast 7 Millionen DM.
Der Haushaltsplan 95/96 erfasst die finanzielle Situation der Ortsgemeinde. Er weist im Verwaltungshaushalt Einnahmen und Ausgaben in Höhe von 2,66 Mio. DM aus, im Vermögenshaushalt sind es 1,69 Mio. DM. Der Kreditaufnahmebetrag liegt bei 1,09 Mio. DM. Die in dem Plan ausgewiesene freie Finanzspitze zeigt, dass sich die Gemeinde an der Grenze ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit bewegt. Der Waldbesitz, einst die Haupteinnahmequelle, wirft kaum noch Gewinne ab. Steuereinnahmen und der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer bilden heute noch die finanzielle Grundlage. Durch hohe Investitionen und deren Folgekosten ist der finanzielle Spielraum der Ortsgemeinde für die kommenden Jahre erschöpft, für zusätzliche Investitionen bleibt kein Raum mehr.
Bereits im Mittelalter galt die Gemeinde als bedeutender Markt- flecken. Heute ist man bemüht, wenigstens als Grundzentrum, neben Annweiler als Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung, anerkannt zu werden.
Zu Beginn des Jahres 1995 hat Albersweiler 2056 Einwohner. Nach der konfessionellen Zugehörigkeit sind es 1006 Katholiken, 810 Protestanten und 240 Sonstige, in insgesamt 1019 Haushaltungen.
Seit den ersten fränkischen Siedlungen um die Kirche des Kant und Adelbrechts Weiler sind mehr als tausend Jahre vergangen. Aus dem Besitztum des Amtes Scharfeneck der Löwensteiner und des Amtes Neukastel der Zweibrücker entstanden der Ort und die Gemarkung mit einer Gesamtoberfläche von 1085 ha. Die einst intensiv genutzte und gepflegte Feldgemarkung droht heute zu veröden. Selbst die klassischen Weinbergslagen sind davon nicht mehr ausgenommen.
Die Entwicklung zu dem heutigen kommunalen Gemeinwesen führte über die Wirren des Dreißigjährigen Krieges, die französische Herrschaft im ausgehenden 17. Jahrhundert und die Auswirkungen der Französischen Revolution nach 1792, die Zugehörigkeit zu Bayern ab 1816 und seit 1947 zum Lande Rheinland-Pfalz. Mit der jeweiligen politischen Entwicklung ging auch ein Wandel der wirtschaftlichen und sozialen Strukturen einher, der sich vor allem seit Ende des 2. Weltkrieges deutlich abzeichnete.
In diesem Jahr wird die Stephanuskirche 150 Jahre alt. Anlässlich dieses Jubiläums erfolgte die vorstehende Rückschau in die Vergangenheit, wobei bis zum Bau der neuen Kirche politische und kirchliche Ereignisse parallel zueinander und chronologisch aufgezeigt wurden. Für die Zeit der neuen Kirche haben sie mehr begleitenden Charakter und gehen in der Hauptsache auf wesentliche Ereignisse in der politischen Gemeinde ein.
Es war von vornherein meine Absicht, die Ausführungen auf das Grundsätzliche zu beschränken. Eine Untersuchung von Zusammenhängen und ein Eingehen auf Details würde den vorgegebenen Rahmen sprengen. Im Hinblick auf die Verflechtungen der Geschichte von Albersweiler mit der von St. Johann habe ich auf einige Gemeinsamkeiten abgehoben, die Geschichte des Ortsteils ist allein schon sehr umfangreich, um so die engen politischen und kirchlichen Bindungen aufzuzeigen.
Für meine Arbeit waren die Chronik von Ludwig Thum und die Beiträge von Karl Hamm eine reiche Fundgrube. Ich möchte sie hiermit auch all jenen empfehlen, die an der Geschichte unseres Dorfes interessiert oder bereit sind, Vergangenes aufzuarbeiten und vor dem Vergessen zu bewahren.


Hier erfahren sie mehr über Albersweiler

Zur Baugeschichte der Pfarrkirche
St. Stephanus Albersweiler

von Hans Ammerich

Das bedeutendste Ereignis für die Albersweilerer Pfarrgemeinde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war zweifelsohne der Bau einer neuen Pfarrkirche.
Die alte Bergkirche, in der Katholiken und Protestanten ihre Gottesdienste hielten, befand sieh in sehr schlechtem Zustand. 1697 war in der Bergkirche das Simultaneum eingeführt worden. Die Benutzung der Kirche durch Katholiken und Reformierte wurde so festgelegt, dass die Katholiken die Kirche morgens bis halb zehn Uhr und die Reformierten von halb zehn bis 14 Uhr benutzen konnten, nach 14 Uhr hatten die Katholiken wieder das Gebrauchsrecht. Wenn die Reformierten Abendmahlfeier halten wollten, sollten ihnen die Katholiken, nach vorhergehender Verständigung, die Frühstunden einräumen.
Nachdem die Bergkirche 1728 gründlich erneuert worden war, erfolgte 1762/63 eine Erweiterung; 1776 wurde sie nochmals umfassend renoviert. Doch bereits rund 50 Jahre später war sie erneut baufällig geworden. Sie war außerdem für die wachsende Gemeinde zu klein, und zudem erwies sich die gemeinsame Benutzung durch Protestanten und Katholiken als sehr problematisch. Aber auch die alte Kirche in St. Johann war inzwischen baufällig geworden und bot ebenfalls zu wenig Platz für die Gottesdienstbesucher.
Als am 2. August 1834 der Gemeinderat von Albersweiler die Erweiterung der Bergkirche beantragte, wurde dieses Ansinnen von der Bauinspektion Landau am 11. Dezember des gleichen Jahres wegen des schlechten baulichen Zustands der Kirche abgelehnt. Die Katholiken sprachen sich in mehreren Schreiben für die Errichtung von zwei Kirchen aus, wobei sie auf die ständigen Streitigkeiten zwischen beiden Konfessionen bei der Benutzung der Bergkirche hinwiesen. Doch der Gemeinderat von Albersweiler beantragte aufgrund zweier Beschlüsse vom 22. März und vom 1. Mai 1887 die Erweiterung der Bergkirche.


Die kgl. Regierung in Speyer richtete am 19. Oktober 1838 an das „Kreis-Bau-Bureau“ die Frage, ob es nicht möglich seye, mit den von dem kg]. Landcommissariat nachgewiesenen Mitteln von 18000 fl. (= florenus, Gulden) eine entsprechende Simultankirche zu erbauen (LA Sp H 3 3963 fol. 9). August (von) Voit, der von 1832 bis 1841 als „Königlicher Civilbauinspektor“ der Pfalz in Speyer tätig war, erhielt den Auftrag, sich der Kirchenbaufrage in Albersweiler anzunehmen. Neben zahlreichen staatlichen Gebäuden plante Voit — er wirkte seit November 1841 in München — in dieser Zeit auch verschiedene Kirchen außer den beiden Albersweilerer Kirchen beispielsweise sind die protestantischen Kirchen in Wilgartswiesen und Maximiliansau, die katholischen Kirchen in Lingenfeld, Neupotz, Waldsee und Homburg, auch die Synagoge in Speyer, zu nennen. Zu seinen Werken gehören auch die Fruchthalle in Kaiserslautern und die Neue Pinakothek in München.
Die Regierung wies in ihrem Schreiben vom 19. Oktober 1838 ausdrücklich darauf hin, dass vom Landkommissariat Bergzabern bisher nur 18000 fl. für die Kirchenbauten bereitgestellt worden seien. Doch ergaben die Berechnungen des Baupraktikanten Ludwig Köhler — er arbeitete unter Voits Aufsicht die Entwürfe aus —‚ dass zur Errichtung einer katholischen Kirche 16000 fl. und einer evangelischen Kirche 22000 fl. erforderlich wären, während die Kosten für eine Simultankirche 36000 fl. betragen würden. Am 26. März 1839 schrieb die Regierung an das Bischöfliche Ordinariat:
Die Simultankirche zu Albersweiler, welche dem dermaligen Bevölkerungsstand keineswegs mehr entspricht und eine Erweiterung nach dem Artikel der Baubehörde nicht zulässt, befindet sich in einem solch baufälligen Zustande, dass eine Reparatur nicht mehr möglich ist. Die Mittel der Gemeinde sind nicht hinreichend, eine katholische und protestantische Kirche erbauen zu können ... In Folge eines höchsten Ministerial-Reskriptes vom 18. laufenden Monats sind wir angewiesen, das bischöfliche Ordinariat mit seinen gutachterlichen Erinnerungen über die Erbauung einer neuen Simultankirche in Albersweiler zu vernehmen ... So wenig wir auch durch neuere Erfahrungen belehrt, die Errichtung von Simultankirchen wünschen können, so dürfte doch im vorliegenden Fall kein anderer Ausweg übrig bleiben, der Gemeinde Albersweiler mit ihrer großen Zahl von 1800 Einwohnern zu einer neuen geräumigeren Kirche zu verhelfen. Es versteht sich von selbst, dass, um allen künftigen Anständen über den Gebrauch der neuen Simultankirche zu begegnen, vor der Erbauung derselben, die beiderseitigen Rechte der Katholiken und Protestanten genau bezeichnet werden müssten (AB Sp Pfarrfaszikel Albersweiler 1.1).
Auf Grund andauernder Streitigkeiten zwischen den beiden Konfessionen sprachen sich das Bischöfliche Ordinariat am 20. Juni 1839 und das Protestantische Konsistorium am 4. Dezember des gleichen Jahres für den Bau von zwei Gotteshäusern aus. Auf Drängen des Landkommissariats Bergzabern und um die konfessionellen Streitigkeiten endlich zu beenden, beschloss der Gemeinderat von Albersweiler Ende Juni 1841 die Errichtung von zwei Kirchen. Die finanziellen Mittel sollten aus dem Abbruch der alten Bergkirche und zum größten Teil aus dem Erlös eines außerordentlichen Holzhiebs erzielt werden. Die Genehmigung zum Bau der beiden Kirchen wurde von der Regierung am 11. und 20. Dezember 1841 erteilt. Mit der Durchführung des Projekts wurde am 23. Februar 1842 der Nachfolger Voits, Zivilbauinspektor Ferdinand Jodl, betraut. Es wurde aber von der Regierung zur Bedingung gemacht, dass für die Erbauung der beiden Kirchen in keinem Fall mehr als 30000 fl. zusammen aufgewendet werden dürfe und dass daher der Bau unterbleiben müsse, wenn die Ausführung mit dieser Summe nicht möglich sei ... (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 76 und 76‘). Somit war die Konzeption Voits, die — wie erwähnt — die Summe von 38000 fl. erfordert hätte, nicht zu verwirklichen.
Aber auch Zivilbauinspektor Jodl äußerte, dass es nicht möglich sei, für beide Konfessionen um 30000 fl. Kirchen zu erbauen, welche doch noch nach Weglassung aller unnötigen Verzierungen das Aussehen von Kirchen haben sollen ... (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 76‘ und 77). Am 1. März 1842 kam Jodl nach Albersweiler, um sich über die örtlichen Gegebenheiten zu informieren. In seinem Bericht vom 7. März heißt es: An der Stelle der alten Simultankirche, welche zu einem Kirchen bau ganz geeignet, indem dieser über alle Häuser erhaben, von weiter Ferne gesehen werden kann, soll nun eine neue und zwar die protestantische Kirche gebaut werden, zu welcher man zwar das Material der alten Kirche zum Grundbau verwenden kann, was aber zur Minderung der Kosten vom Neubau keinen groben Ausschlag geben wird ... Der gehorsamst Unterzeichnete wird, um dem Wunsche der Königlichen Regierung zu entsprechen, einen Plan möglichst schnell, nur in leichten Umrissen mit Weglassung aller architektonischer Verzierungen anfertigen, die Kosten berechnen und suchen nicht über die bewilligte Summe hinauszukommen. Für die kath. Kirche ist von der Gemeinde noch kein bestimmter Platz ausgemittelt, jedoch zwei in Vorschlag und zwar der eine ist der Pfarrgarten, der schön gelegen, welcher aber schwer zu acqueriren sein wird. Der zweite ein vor dem Pfarrgarten gelegener Acker, gehörig der Witwe Mühlhäuser, welcher in kurzer Zeit veräußert werden soll, und von gehorsamst Unterzeichneten als ganz geeignet befunden wurde, sollte von der Gemeinde ersteigert werden, da die kath. Kirche in die Nähe des Pfarr- und Schulhauses und des Begräbnisplatzes zu stehen kommen wird und ebenso wie die protest. Kirche von weitem gesehen werden kann. Um auch zur Erbauung dieser Kirche mit Genauigkeit die Kosten angeben zu können, wäre es notwendig, eine Skizze anzufertigen ... Der gehorsamst Unterzeichnete bittet zu dieser Arbeit um vierzehn Tage Termin, wo ich dann E. kgl. Regierung Skizzen und Kostenberechnung ... vorlegen werde (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 80—8 1‘). Inzwischen hatte Baupraktikant Ziegenhain die Entwürfe Voits ausgearbeitet; sie wurden am 22. März 1842 vom Landkommissariat Bergzabern bei der Regierung in Speyer eingereicht. Die Regierung sprach sich für die von Jodl angefertigten Pläne aus; der Bau der protestantischen Kirche sollte 16292 fl. und derjenigen der katholischen Kirche 14000 fl. — ohne innere Ausstattung — kosten. Die Entwürfe wurden am 30. April 1842 dem Landkommissariat Bergzabern übergeben.
Nach dem Willen des Gemeinderates von Albersweiler musste Jodl den Bauplan der evangelischen Kirche nochmals umarbeiten, denn sie sollte, da die Bevölkerung von Albersweiler zu zwei Drittel evangelisch war, größer als die katholische sein.
Was die Bauplätze der beiden Kirchen betrifft, schrieb Jodl am 9. August 1842 an die Regierung, so kann nur geäußert werden, dass die protestantische Kirche auf dem Berg am Platze der gegenwärtig alten Simultankirche und die katholische auf dem Acker der Witwe Mühlhäuser gehörig hinsichtlich der schönsten Lage erbaut werden sollen ... (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 95—95‘). Die protestantische Gemeinde erhielt also den durch Abbruch der alten Bergkirche freigewordenen Platz, der durch Zukauf seitens der politischen Gemeinde erheblich erweitert wurde. Die katholische Gemeinde wollte ihre Kirche zunächst in der Dorfmitte erbauen; dies hätte aber den Ankauf und den Abriss von Wohnhäusern erforderlich gemacht, was den Kirchenbau verzögert und verteuert hätte. Man wählte schließlich einen Platz am Rand des damaligen Ortes aus, den die politische Gemeinde für 1025 Gulden erworben hatte. Doch hatte dieser Standort einen schwerwiegenden Nachteil: Französische Truppen hatten während des Osterreichischen Erbfolgekrieges 1745 einen Graben ausgehoben, dessen Zuschüttung zu keinem festen Baugrund führte. Die Bedenken der katholischen Gemeinde gegen diesen Platz wurden von der Regierung der Pfalz abgewiesen. Doch schon 1867 hatte sich der Chorraum abgesenkt und musste erneuert werden, was zusätzliche Kosten verursachte.
Die von Jodl angefertigten Pläne wurden von der Regierung am 12. August 1842 dem Landkommissariat Bergzabern zur Einsichtnahme zugesandt. Nachdem der Gemeinderat von Albersweiler mit den Entwürfen einverstanden war, erteilten auch das kgl. protestantische Konsistorium zu Speyer am 23. September und das Bischöfliche Ordinariat am 29. September die Einwilligung zu den Bauvorhaben (LA Sp H 3 Nr. 3963). Am 28. Oktober 1842 berichtete die Regierung dem kgl. Ministerium des Innern in München folgendes: Die beifolgenden Entwürfe sind so einfach als möglich gehalten worden, damit die Gemeinde, welche sehr bevölkert ist und dermalen nur eine ganz kleine Kirche besitzt, die sie als Simultankirche zu benützen genötigt ist, um so eher im Stande sei, die zur Herstellung der beiden neuen Kirchen erforderlichen Mittel aufzubringen. Da aber keine Gelder dermalen in der Gemeindekasse zu diesem Behufe vorhanden sind, es werden zur Deckung der Baukosten, welche, ohne die innere Einrichtung, zu 30751 fl. geschätzt sind, außerordentliche Holzhiebe, welche übrigens von der Forstbehörde als zulässig erklärt worden sind, in dem Gemeindewalde stattfinden müssen. Um diesen letzten nicht allzu sehr in Anspruch zu nehmen und zu benachteiligen, wurde dahin getrachtet, die Baukosten tunlichst zu ermäßigen, deren Erhöhung unter den gegebenen Umständen nach gerade unmöglich sind (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 104).
Das Ministerium des Innern schickte am 16. Februar 1843 die Entwürfe, die als zur Ausführung geeignet, ohne Abänderung Allerhöchst genehmiget wurden, der Regierung in Speyer zurück (LA Sp H 3 Nr. 3963 fol. 100). Am 13. März erfolgte zusammen mit der Baugenehmigung die Aufforderung zur Vergabe der Arbeiten. Das Baugrundstück war Mitte März erworben worden. Die Versteigerung der Bauarbeiten sowie der Abbrucharbeiten der alten Bergkirche und der Kirche zu St. Johann geschah am 30. März. In den Monaten April bis Juni wurde das Baumaterial angekauft und zur Baustelle gebracht (LA Sp H 3 Nr. 3963). Die Fundamentierung — es wurden dafür Steine der abgebrochenen alten Kirche in St. Johann, wie Pfarrer Thum in

der Chronik (S. 90) berichtet, verwendet — wurde in den Monaten Mai und Juni vorgenommen.
Am 19. Mai 1843 schickten Albersweilerer Katholiken das folgende Schreiben an das Bischöfliche Ordinariat: Die gehorsamst Unterzeichneten katholischen Bürger der Gemeinde Albersweiler sehen sich gezwungen, einem hochwiirdigsten Bischöflichen Ordinariate folgende Vorstellung vorzutragen: Wie bekannt, wird da- hier eine neue katholische und protestantische Kirche gebaut. Zur katholischen Kirche ist bereits das Fundament gegraben und fast ganz ausgemauert. Daraus ist leicht zu ersehen, welche Gestalt und Größe die Kirche erhalten wird. Was die Form oder Gestalt der Kirche betrifft, so ist zu ersehen, dass Länge und Breite in gar keinem Verhältnisse stehen und dass es ein ganz unförmlicher Bau gibt. Denn die Länge des Schiffes der Kirche wird 19 Meter lang und ungefähr 18 Meter breit, woraus klar erhellet, dass hier nicht das gehörige Verhältnis obwaltet. Diesem Übelstande dürfte leicht dadurch abgeholfen werden können, wenn das Schiff um ein Fenster verlängert würde. Die Größe der Kirche anlangend, so ist ersichtlich, dass dieselbe schon jetzt für eine Gemeinde von ungefähr 900 Seelen zu klein ist, und dass somit für die voraussichtliche Vermehrung der Gemeinde gar nicht gesorgt ist. Wenn aber eine Kirche gebaut wird, so ist nicht bbs das Bedürfnis der Gegenwart, sondern auch dasjenige der Zukunft in Acht zu nehmen. Schon aus diesem Grunde Muss deshalb eine Vergrößerung der Kirche eintreten. Die gehorsamst Unterzeichneten Bürger können erst jetzt diese Vorstellung vortragen, da sie auch erst jetzt nach begonnenem Bau der Kirche von obigem Kenntnis nehmen konnten, und früher von dem Plan des Baues keine Kenntnis hatten, also auch keine Einsprache dagegen machen konnten. Wenn somit durch Abänderung des ursprünglichen Bauplanes, d.h. durch die notwendige Vergrößerung der Kirche, weitere Kosten verursacht werden, so haben sich die gehorsamst Unterzeichneten deshalb nichts zuzuschreiben, und es dürfte wohl besser sein, jetzt dem berührten Übelstand abzuhelfen, was nach vollendetem Bau nur mit sehr großen Kosten geschehen könnte, und wenn dieses nicht geschehen würde, so würde dem wahren Bedürfnisse der Gemeinde für jetzt und der Zukunft nicht entsprochen sein. Die gehorsamst Unterzeichneten bitten deshalb das hochwürdigste Bischöfliche Ordinariat, sich dahin verwenden und bei hoher kgl. Regierung das Geeignete veranlassen zu wollen, dass die Kirche in einem solchen Zustande und Verhältnisse erbaut werde, dass sie dem jetzigen und dem künftigen Bedürfnisse der Gemeinde entspreche ... (AB Sp Pfarrfaszikel Albersweiler 1,1). Das Bischöfliche Ordinariat leitete am 12. Juni 1843 die Petition der Albersweilerer Katholiken an die Regierung weiter. Die Regierung ließ das Bischöfliche Ordinariat am 24. Juni wissen, dass nachdem Seine Majestät der König unterm 16. Februar 1843 die Pläne zur Erbauung fraglicher Kirche Allerhöchst genehmigt haben und hiernach der Bau bereits begonnen hat, der Vorstellung einzelner katholischer Gemeindeglieder keine weitere Folge gegeben werden könne (AB Sp Pfarrfaszikel Albersweiler 1.1).
Der Rohbau der Kirche war im Juni 1845 fertiggestellt. Der Innenausbau wurde ab Juli des gleichen Jahres in Angriff genommen. Die Gesamtkosten für den Kirchenbau betrugen fast 25000 fl. Die Bauaufsicht nahm Bauschaffner Johann Georg Schneider aus Edenkoben wahr. Die Bauleitung hatten die Zivilbauinspektoren Jodl und Hagemann inne. Die Erd-, Maurer- und Steinhauerarbeiten wurden vom Unternehmen des Maurermeisters Johannes Manz aus Steinfeld durchgeführt.
Die Vorentwürfe zum Bau der St. Stephanuskirche, darunter die Pläne Voits, sind nicht mehr erhalten. Der heutige Bau wurde nach den Plänen des Zivilbauinspektors Ferdinand Jodl ausgeführt.
Erster Entwurf: Zivilbauinspektor Voit; Baupraktikant Köhler
Ausarbeitung der Entwürfe: Baupraktikant Ziegenhain, 1842
Zweiter Entwurf: Zivilbauinspektor Jodl, 1842
Detailpläne: Zivilbauinspektor Jodl, 1843; Bauschaffner Schneider, 1843
Die Weihe der Kirche — sie hat wie die ehemalige Bergkirche den hl. Stephanus als Patron — nahm Bischof Nikolaus von Weis am 12. Oktober 1845 vor, noch vor der endgültigen Fertigstellung der Kirche.
Pfarrer Bernard Aleiter schickte am 8. November dem Bischöflichen Ordinariat die folgende Beurkundung der Konsekration zu:
Im Namen des Drei einigen Gottes
Heute, am zwölften Oktober eintausend acht hundert fünf und vierzig, wurde durch den hochwürdigsten Herrn Bischof von Speyer Dr. Nicolaus Weis die hiesige neue katholische Kirche nebst den in derselben sich befindlichen drei Altäre eingeweiht im Beisein der HochwBrdigen H. Herren Geissler, Domkapitular zu Speyer
Spiehler, Domvikar zu Speyer Firmery, Pfarrer und Dekan zu Edesheim Roth, Pfarrer zu Landau Mohler, Pfarrer zu Arzheim Keiler, Pfarrer zu Ranschbach Wild, Pfarrer zu Godramstein Reinig, Pfarrer zu Ram berg Trapp, Pfarrer zu Eschbach und Aleiter, Pfarrer zu Albers eiler.
ita testor Bern ardus Aleiter
parochus in Albersweiler
Die Konsekrationsurkunde hat folgenden Wortlaut:
Anno domini MD CCCXLV XII Octobnis Reverendus Dominus Nicolaus Episcopus Spirensis consecravit Ecclesiam parochialem in loco Albersweiler in honorem St. Stephani Protomartyris nec non tria Altana. Altare summum in honorem St. Stephani Protomartynis, Altare ad latus Evangelii in honorem Beatae Mariae Virginis. Altare ad latus Epistolae in honorem S(anc)tae Crucis. (Chronik Thum S. 89f.).
Die innere Ausstattung der Stephanuskirche war erst im November 1846 abgeschlossen; auf sie sei in diesem Zusammenhang nur stichwortartig hingewiesen:
Hochaltar
Erster Entwurf: Bauschaffner Schneider, Mai 1844
Zweiter Entwurf: Zivilbauinspektor Hagemann, Jan. 1846
Ausführung: Schreiner Ludwig Heine (Kandel), 1846.
Seitenaltäre
Erster Entwurf: Bauschaffner Schneider, Mai 1844
Zweiter Entwurf: Zivilbauinspektor Hagemann, Jan. 1846
Die Ausführung erfolgte erst später.
Kanzel
Erster Entwurf: Baus chaffner Schneider, Mai 1844
Zweiter Entwurf: Zivilbauinspektor Hagemann, Jan. 1846
Ausführung: Schreiner Ludwig Heine (Kandel), 1846.
Beichtstühle
Erster Entwurf: Bauschaffner Schneider, Mai 1844
Zweiter Entwurf: Zivilbauinspektor Hagemann, Jan. 1846
Ausführung: Schreiner Ludwig Heine (Kandel), 1846.
Kirchenstühle
Entwurf: Bauschaffner Schneider, Mai 1844
Revision: Zivilbauinspektor Hagemann, 1845
Ausführung: Schreiner Ludwig Heine (Kandel), 1845.
Orgelprospekt
Entwurf: Zivilbauinspektor Hagemann, 1846.
Über die Baukosten berichtet Pfarrer Thum folgendes (5. 87f.):
Ohne die Kosten für den Plan bezahlte die polit. Gemeinde für den Bau der katholischen Kirche folgendes:
1,025 Gulden 48 Krz. für Ankauf des Bauplatzes
10,358 Gulden 00 Krz. Maurerarbeit von Matz in Stein feld
4,125 Gulden 11 Krz. Zimmermannsarbeit von Dieringer in Edenkoben
1,125 Gulden 43 Krz. Schieferdeckerarbeit von Schärf in Landau
0,795 Gulden 14 Krz. Schreinerarbeit von Ehrhard in Blankenborn
0,411 Gulden 23 Krz. Glaserarbeit von Häusling in Bergzabern
0,516 Gulden 26 Krz. Schlosserarbeit von Mockey in Kirrweiler
0,254 Gulden 33 Krz. Tüncherarbeit von Völker
2,901 Gulden 30 Krz. Schreinermöbelirung von Niederhofer in Edenkoben
0,105 Gulden 00 Krz. Abschlußthor im Innern
0,011 Gulden 00 Krz. Aufnahme des Weges und Pflasters zur Kirche
0,300 Gulden 39 Krz. für Chaussirung und Pflasterung
0,850 Gulden 00 Krz. Nebenkosten
1,400 Gulden 00 Krz. 2 Glocken von Lindemann in Zweibrücken
2,693 Gulden 00 Krz. Orgel von Schlimbach in Speyer
0,150 Gulden 00 Krz. Altarbild von Kempf in Mainz
0,120 Gulden 00 Krz. 2 Statuen auf dem Hochaltar von Scherr in Hain feld
0,800 Gulden 00 Krz. Taufstein
1,260 Gulden 00 Krz. Neubau des Chors im Jahr
1867
0,225 Gulden 00 Krz. Erneuter Anstrich 1868 von Mathes in Annweiler
28,703 Gulden 27 Kreuzer; in Marken: 49.197 Mark 91 Pfennig
Nach dem Beschluss, eine neue katholische Pfarrkirche in Albersweiler zu erbauen, war die alte Kirche in St. Johann überflüssig geworden. Bereits 1804 war die Kirche baufällig gewesen. Die Geldmittel für die Wiederherstellung konnten damals von den Katholiken nicht allein aufgebracht werden; sie baten die Protestanten um Hilfe. Im Herbst 1804 wurde bei der reformierten Gemeinde in der Bergkirche, in der lutherischen Kirche auf dem Marktplatz und im gesamten Dorf für die Wiederherstellung der katholischen Kirche von St. Johann gesammelt. „Zur Geschichte dieses Kirchleins gehört dieses Zeugnis guter und hilfreicher Nachbarschaft . ..“, schreibt Karl Hamm. Die Reparaturmaßnahmen konnten den Zerfall der Kirche jedoch nicht aufhalten. Schon rund zwei Jahrzehnte später, im August 1826, bestand zwischen dem Gemeinderat und dem Fabrikrat Uneinigkeit darüber, ob das Kirchlein, welches gänzlich verfallen ist und nur wieder notdürftig herzustellen wäre, nicht zum Abbruch zu veräußern wäre; der Gottesdienst würde ohnehin in Albersweiler gehalten. Der Fabrikrat war für die Wiederherstellung, der Gemeinderat für den Verkauf der Kirche (LA Sp H 3 Nr. 3955). Am 22. November 1826 wurde seitens des Fabrikrats argumentiert, dass die Kirche zu St. Johann die Hauptkirche sei und ausschließlich katholisch. Das Hauptargument für die Erhaltung war, dass der Kirchhof leicht zu vergrößern sei; dies sei besser als der Ankauf von Gelände in Albersweiler. Im März 1828 war das Dach eingebrochen und die Kirche sollte auf Abbruch versteigert werden. Am 27. April 1828 protestierte der Fabrikrat bei der Regierung gegen den Abbruch dieser in ihrer kreuzförmigen Bauart sehr schönen Kirche, die sich selbst in den stürmischen Zeiten erhalten habe; auch der Kirchhof werde gebraucht (LA Sp H 3 Nr. 3955 fol. 10—11). Wer ihn belegt, bleibt unklar. Am
27. Mai wandte sich der Gemeinderat gegen die vermeintlich schöne Bauart der Kirche, deren Wiederherstellung ein bloßer Traum weniger Überspannter sei. Seit der Friedhof nach Albersweiler verlegt worden sei, so argumentierte der Gemeinderat, ist der dortige Gottesdienst ganz zu entbehren und die wenigen Katholiken, welche zu St. Johann wohnen, mögen dorten begraben werden. Aber einer Handvoll Leute zu gefallen, die nicht gerne den Weg von 500 Meter von dorten nach Albersweiler machen wollen, auch noch eine Kirche zu St. Johann unterhalten zu sollen, wäre gegen allen gesunden Sinn anstoßen (LA Sp H 3 Nr. 3955 fol. 16). Im Juli 1841 beabsichtigt der Fabrikrat, die Kirche zu veräußern. Der Gemeinderat spach davon, dass die Kirche Eigentum der politischen Gemeinde sei, gestand aber dem Fabrikrat den Abbruch ZU; der Kirchhof solle aber Eigentum der politischen Gemeinde werden. Am 7. August 1841 wurde schließlich die Abbruchgenehmigung erteilt (LA Sp H 3 Nr. 3955 fol 30). Die kirchliche Eigenständigkeit hatte St. Johann schon lange zuvor verloren und bildete mit Albersweiler eine katholische Pfarrgemeinde.
Der Grundstein für die evangelische Kirche, die neue Bergkirche, wurde am 17. August 1843 gelegt; die feierliche Einweihung durch Oberkonsistorialrat Dr. Rust war am 13. Dezember 1846. In der Zeit der Baumaßnahmen hielten die beiden Kirchengemeinden ihren Gottesdienst in der kleinen lutherischen Kirche, die 1880 abgerissen wurde.
Pfarrer Karl Hamm (S. 68) beurteilt die von Voit bzw. von Jodl entworfenen Albersweilerer Kirchenbauten recht kritisch: „Voit nannte den Baustil der beiden neuen Kirchen byzantinisch, die Kunstdenkmäler der Pfalz nennen sie richtiger neuromanisch. Die neue Bergkirche musste nach dem Willen der Bauherrn größer sein als die neue Stephanskirche, von den Dorfbewohnern waren zwei Drittel protestantisch, und das sollte auch der Neubau demonstrieren. Aus diesem Grunde fiel der Neubau auf dem Berge so unproportioniert groß aus. Die zwei Fensterreihen übereinander ließen das Kirchenschiff unförmig hoch werden, die Kanzel schwebt im Raum, und die hohen Emporen, ohne Sicht auf Kanzel und Altar, wurden schon beim Bau scharf kritisiert. Auch die neue Stephanskirche wurde von Thum sehr hart bemängelt, sie sei zu hoch und zu breit und ihre Akustik ungenügend“. In Ergänzung zu den Ausführungen Hamms seien Pfarrer Thums Eintragungen in der Chronik (5. 90) zitiert: Die Kirche St. Stephanus hat keine Nebentüre, welche eine schnellere und anständigere Raumentleerung sowie bessere Ventilation ermöglicht hätte. Das Chor ist zu klein und musste, weil nicht auf natürlichem Boden aufgeführt, 1867 abgerissen, auf einen Rost gestellt und neu aufgeführt werden. In der Kirche selbst ist auch jedes Stück Möbel, mit Ausnahme der Orgel unpraktisch.


Quellen und Literatur
Archiv des Bistums Speyer (abgekürzt: AB Sp), Pfarrarehiv Albersweiler (Depositum) 1 (Pfarrkirche). Pfarrfaszikel Albersweiler 1.1 (Baugeschichte); 1.2 (Innere Ausstattung); 1.5 (Simultaneum). — Landesarchiv Speyer (LA Sp) H 3, Nr. 3955, 3956, 3962, 3963.
Ludwig Thum, Geschichte der Pfarrei und Gemeinde Albersweiler sowie des Eilialortes St. Johann. Albersweiler 1886 (Manuskript, zitiert: Chronik Thum). — Die Kunstdenkmäler der Pfalz. IV Bergzabern. Bearbeitet von Anton Eckardt. Bcrgzabcrn 1935 (Artikel Albersweiler 5. 7—10; Angaben der Bauzeiten der beiden Kirchen 5. 7 nicht zutreffend!). — Karl Hamm, Albersweiler, Beiträge zur tausendjährigen Geschichte eines pfälzischen Dorfes. Hrsg.: Gemeindeverwaltung Albersweiler 1968. — Hans-Jürgen Kotzur, Forschungen zum Leben und Werk des Architekten August von Voit. 2 Teile. Diss. Heidelberg 1977 (zur katholischen und zur protestantischen Kirche von Albersweiler Teil II Katalog der Bauten Voits in der Pfalz, 5. 2—8). — Hans Ammerich, Zur Geschichte der katholischen Pfarrgemeinde St. Johann, in: 1000 Jahre Albersweiler — St. Johann (991—1991). Ortschronik zur l000-Jahrfeier. Albersweiler 1991, 5. 51—80.




Innere Ausstattung der Kirche

von Johannes Corbet

Altäre, Statuen und sonstige Einrichtungsgegenstände
Über die ursprüngliche Ausstattung der Kirche mit Altären schreibt die Chronik: „... der primitive einfache Hochaltar wurde von der Firma Niederhöfer in Edenkoben zu 302 Gulden angefertigt und ist, weil der Einheit entbehrend, unschön. Im Jahre 1876 wurde er zu 87 Gulden von Joh. Schreiber in Gleisweiler gefasst und vergoldet und mit 2 Reliefbildern (betende Engel) geschmückt, die 91 Mark kosteten. Die Ausgaben für diese Fassung und die beiden Reliefs wurden aus Beiträgen (freiwilligen) und durch ein Geschenk von 100 Gulden, die Fürst Löwenstein auf Bitten des Pfarrers schickte, bestritten. Die Kosten für die Nebenaltäre verweigerte die Gemeinde, weshalb 1845 bloß die Altarsteine consecriert wurden, worauf 1846 vom Schreiner Kennerknecht Aufsätze kamen, wovon jeder 30 Gulden kostete und Küchenschränken gleich sehen ... Der eine Altar ist consecriert in Hon. B. M. V. (Marienaltar), der andere deshalb in Hon. St. CRUCIS, weil man die Erinnerung an die alte Kreuzkirche und Kreuzaltar in St. Johann lebendig erhalten wollte, weshalb auch auf ihn die Kreuzesgruppe angebracht ist, die früher auf dem Hochaltar in St. Johann (jetzt in Eußerthal) stand ...“.
Die Kreuzesgruppe wird in der Chronik 1778 erstmals erwähnt, ist vermutlich jedoch schon bei der Übernahme der Kirche von den Protestanten durch die Katholiken nach 1675 angeschafft worden.
Die Kreuzesgruppe wurde im Jahre 1879 dann über dem Beichtstuhl angebracht und ein Josefsaltar eingerichtet. Die Statue des hl. Josef befindet sich heute noch in der Kirche links unter der Empore. Die Herkunft dieser Statue ist nicht mehr bekannt. In der Chronik wird 1879 lediglich eine „Stückzahl von 9 Statuen“ aufgeführt, ohne nähere Beschreibung.
Die Marienstatue für den Marienaltar ist 1862 von der Meyer- sehen Kunstanstalt in München aus freiwilligen Beiträgen der Katholiken gekauft worden.

In den Jahren 1952/53 wurde anlässlich eines Kirchenumbaues das mittlere Fenster im Chorraum zugemauert.
An diese Stelle kam das alte Kreuz sowie die Statuen Maria und Johannes aus der Kreuzesgruppe aus der St. Johanner Kirche. Ihr Platz ist bis heute dort geblieben.
Der Hochaltar wurde bis auf die Altarsteine abgebaut, der Altar- aufbau mit graugelbem Marmor verkleidet und mit einem neuen Panzertabernakel versehen.
Der Marienaltar bekam eine neue Altarrückwand, die Marienstatue wurde abgelaugt, ergänzt und neu vergoldet. Die Statuen des hl. Johannes und des hl. Königs Heinrich wurden ebenfalls restauriert und bei der Marienstatue aufgestellt.
Der Josefsaltar wurde in der gleichen Weise neu eingerichtet wie der Marienaltar. Die Statue des hl. Stephanus wurde von Franz Hartmann, Buchloe, geliefert und vergoldet, der auch beide Seitenaltäre neu eingerichtet hat. Die Statuen des hl. Josef und des hl. Sebastian sowie die Überarbeitung und Ergänzung der Marienstatue stammen vom Bildhauer Peter Gasser, Würzburg; vergoldet und aufgestellt hat sie jedoch Franz Hartmann, Buchloe.
Die übrigen alten Figuren (u.a. auch St. Petrus u. Paulus vom alten Hochaltar) wurden „einheimischen katholischen Familien zur Fronleichnamsprozession“ überlassen. Die Konsekration der neu gefassten Altäre erfolgte am 8. August 1953 durch Bischof Dr. Emanuel.
Der Kircheninnenraum erhielt erst im Jahre 1901 einen Kreuzweg, der im selben Jahr geweiht wurde; die Chronik schweigt sich allerdings über deren Herkunft aus. Ebenfalls waren keine Unterlagen zu finden über das Bild rechts unter der Empore, das die Steinigung des hl. Stephanus darstellt.
Die Kanzel stammt ebenso wie die Kirchenbänke aus der Möbelschreinerei Niederhöfer, Edenkoben, und ist noch original erhalten. Die Chronik schreibt hierüber: „... die Kanzel, die 296 Gulden kostete, ist zierlich, hat aber einen zu kleinen Schalideckel ... Bußstühle sind auch die Kirchenstühle (-bänke), von denen jeder 30 Gulden kostete, sie passen zum Sitzen, aber nicht zum knien ...“.
Die Kanzel erhielt im Jahre 1923 einen größeren Schaildeckel.
Ebenfalls von Fa. Niederhöfer, Edenkoben, stammten die „Communicantenbank“ und der alte Beichtstuhl. Die Chronik hierüber:
der Beichtstuhl hat 127 Gulden gekostet und ist in Wahrheit ein Ort der Buße, da der Priester zu viel, der Pönitent aber zu wenig Platz hat ...“.
Sowohl der Beichtstuhl als auch die Kommunionbank wurden 1952/53 entfernt und durch neues „Möbel“ ersetzt — durch Fa. Anton Vogel, Bad Bergzabern. Vogel fertigte 1953 auch neue Rahmen für die Kreuzwegstationen an.
Im Jahre 1965 erhielt die Kirche eine neue elektrische Heizung.
Vermutlich im Jahre 1969 erhielt die Kirche den heutigen aus Holz gefertigten Zelebrationsaltar. Unterlagen darüber waren nicht vorhanden.
Die Orgelempore wurde 1986 beidseits der Orgel mit Podesten ausgerüstet, mit Teppichboden verkleidet und darauf neue Kirchenbänke (ohne Kniebänke) errichtet, die von Fa. Vogel, Bad Bergzabern gefertigt wurden.
Die Verkleidung der Kirchendecke mit Sperrholz erfolgte bereits im Jahre 1936.

Die Kirchenfenster

Bei den ursprünglich vom Glaser Häussling, Bad Bergzabern, für 411 Gulden 1845 eingesetzten Fenstern handelte es sich um einfache unbemalte bleiverglaste Fenster; 3 im Chor, 10 im Kirchenschiff, 6 in Sakristei und Empore sowie Bleiverglasung im Portaloberlicht und 2 Windfangtüren.
Nachdem diese Fenster nicht mehr abdichteten und durch die Fenster eindringendes Wasser Bauschäden befürchten ließen, beschloss man im Jahre 1912, neue Kirchenfenster anzuschaffen.
Es handelte sich um bemalte Kirchenfenster in Bleiverglasung, die nach den noch vorhandenen Unterlagen u.a. folgende Heilige zeigten: hl. Cäcilia (gestiftet vom Cäcilienverein), hl. Augustinus, hl. Franz von Sales, hl. Stephanus, hl. Monica, hl. Hildegard, hl. Elisabeth, hl. Franz v. Assisi. Den Auftrag bekam das Atelier für Glasmalerei und Kunstverglasung Fa. P. Meysen u. J. Beck, Heidelberg.
Diese Fenster wurden dann leider 1944/1945 durch Fliegerangriffe auf Albersweiler im 2. Weltkrieg zerstört.
Erst im Jahre 1948 erhielt die Kirche wieder neue Fenster. Die Ausführung erfolgte in „Sechseckenverglasung mit getöntem Antikglas“ in 9 mm Blei ausgeführt. Die Fenster wurden von der Fa. Johann Gay aus Burgau hergestellt und kosteten (unmittelbar nach der Währungsreform) 3.575,— DM. Bezahlt wurden die Fenster seinerzeit auch mit Naturalien wie z.B. Wein, Lötzinn und Altblei.
Im Zuge der Innenrenovierung 1952/53 wurde ein Fenster im Chor zugemauert.
Schon im Jahre 1984 wurde beim Bischöfl. Ordinariat in Speyer die Instandsetzung der Fenster beantragt, da bei „vorangegangenem Unwetter der Regen stark eingedrungen sei und die Lärmbelästigung von der benachbarten Kirchstraße besonders an Samstagen unerträglich sei“. Erst im Jahre 1990 jedoch wurden die Kirchenfenster grundlegend erneuert und von der Firma Krumholz, Bad Bergzabern, ausgeführt (Antikglas-Bleiverglasung mit Isolierverglasung).
Die beiden Chorfenster wurden von J. Dorn, Nürnberg, künstlerisch gestaltet. Die Herstellung dieser Fenster erfolgte durch Fa. Derrix, Taunusstein, in mundgeblasenen Antik- und Edelgläsern mit Isolierverglasung.

Die Geschichte der Orgel

In der 1843 abgebrochenen Kirche zu St. Johann stand eine kleine Orgel, die am Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Speyerer Kloster zu 77 Gulden gekauft war. Die Chronik schreibt, dass „die Orgel 1802 zerlegt und bei Joh. Schwab untergebracht wurde, aber nicht mehr vorhanden gewesen sei, als man sie begehrte“.
Schon bald nach der Fertigstellung des Kirchenneubaues erhielt die Kirche auch eine neue Orgel.
Mit der Erbauung des Instruments wurde 1856 die Speyerer Orgelbauwerkstätte Gustav Schlimbach beauftragt. Die Orgel wurde 1859 in der Kirche aufgestellt und kostete 2.693 Gulden, die von der politischen Gemeinde bezahlt wurde. Die feierliche Orgelweihe erfolgte am 25. September 1859.
Die Orgel hatte 14 klingende Register, die auf 2 Manualen und Pedal verteilt waren:
Oberes Manual, 4 Register Unteres Manual, 7 Register
Aoline 8‘ (2 Pfeifenreihen Prinzipal 8‘ (teilweise im
schwebend gestimmt) Prospekt)
Liebl. Gedackt 8‘ Bourdon 8‘
Flöte 4‘ Gambe 8‘
Salizional 8‘ Gedackt 8‘
Oktav 4‘ (teilweise im
Prospekt)
Oktav 2‘
Pedal, 3 Register Mixtur
Violinbaß 8‘ (Ein Register war nicht
Subbaß 16‘ gebaut, aber zum späteren
Oktavbaß 8‘ Einbau vorgesehen)
Der Umfang der Manuale beträgt 4 1/2 Oktaven (C—f“) der des Pedals 2 Oktaven (C—c‘). Die Spieltraktur erfolgt mittels Holzabstrakten und Winkeln zwischen Tastatur und Pfeifenventilen auf mechanischem Wege. Ebenfalls mechanisch funktionieren das Regierwerk und die Koppelanlage, wodurch sich die Register des oberen Manuals im unteren Manual und die Register des unteren Manuals im Pedal spielen lassen.
Das Instrument wurde von Pfarrer und Gemeinde seinerzeit mehr nach dem äußeren Erscheinungsbild als nach den inneren Werten beurteilt. So schreibt die Chronik über die neue Orgel als „Möbel“: „... die neue Orgel ... ist das einzige Möbelstück, das ebenso schön wie gut ist.“
So ist das Orgelgehäuse solide in Eichenholz angefertigt worden, die Spieltischanlage wurde seitlich in das Gehäuse integriert. Das Herzstück der Orgel, die Windladen (= Windverteilungssystem, meist eine Kastenkonstruktion, auf der die Pfeifen stehen) hat der Erbauer unbegreiflicherweise aus einer älteren Orgel (Fichtenholz) entnommen, deren Spieltischanlage in der Mitte des Gehäuses eingebaut war, so dass die Spielweise des neuen Instruments durch „verdrehte“ Windventilbefestigung und nicht passenden Winkelübersetzungen bis zum heutigen Tage äußerst schwergängig ist. Auf diesen Missstand haben bisher sämtliche mit Restaurierung und Umbau befassten Orgelbaumeister sowie Organisten vergeblich hingewiesen.
Leider gingen die Kriegswirren auch nicht spurlos an der Orgel vorüber. So geht aus alten Unterlagen hervor, dass am 31. Juli 1917 sämtliche Zinnprospektpfeifen mit einem Gewicht von insgesamt 103,2 kg zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden mussten. Nach dem Kriege wurde ein Teil der Pfeifen — allerdings aus minderwertigem Zink-Material — wiederbeschafft. Ein Teil des Prospekts wurde mit einem Tuch verhüllt. Im Jahre 1939 stiftet der Cäcilienverein ein elektrisches Gebläse für die Orgel.
Das Instrument blieb so unverändert bis zum Jahre 1958.
Im Zuge einer notwendig gewordenen Reparatur und Überholung des Instruments wurden auch klangliche Veränderungen vorgenommen. Ausgeführt haben diese Arbeiten die Orgelbaufirma E.F. Walcker + CIE, Ludwigsburg. Im oberen Manual wurde die Aoline (ein Streich- und Säuselregister) entfernt und dafür Principal 2‘ und eine 2-fache Quint-Zimbel neu eingebaut. Im unteren Manual wurde das bislang nicht vorhandene 8. Register auf der Windlade mit einer Rohrflöte 4‘ ergänzt; Bourdon 8‘ gegen eine Offenflöte 8‘ ausgetauscht und die fehlenden Prospektpfeifen — allerdings wiederum aus Zink-Material — eingebaut. Die Mixtur erhielt einen zusätzlichen, helleren Pfeifenchor.
Der Klang der Orgel wurde dadurch insgesamt aufgehellt und dem seinerzeitigen Zeitgeschmack entsprechend angepasst (barockisiert). Damit der Orgelton mehr in den Kirchenraum dringt, wurde das mittlere Feld des Orgelgehäuses geöffnet und mit Stabprofilen versehen. Dem Wunsche nach einer leichtgängigeren Spielweise (Einbau von gleichaufgehenden Ventilen und exakt berechneten Winkeln) wurde leider nicht entsprochen.
Die Wiederherstellung des Orgelprospekts mit hochwertigen Zinnpfeifen — wie ursprünglich eingebaut — erfolgte erst bei einer wiederum notwendig gewordenen Reparatur- und Überholungsmaßnahme im Jahre 1976. Der damalige Orgelsachverständige und Domorganist Leo Krämer stellt in seinem Gutachten vom 14. 7. 1976 fest, dass die Orgel in einem „beklagenswerten und schlechten Zustand sei und zudem noch äußerst schwergängig zu spielen sei“. Der Kirchenverwaltungsrat beschloss daraufhin die Arbeiten für eine Generalreinigung sowie Überholung der Spieltraktur an die Fa. Mayer, Heusweiler, zu vergeben. Die im Gutachten — wie schon früher geäußerte Bitte nach notwendigen Arbeiten für eine leichtgängigere Spielweise wurde wieder nicht berücksichtigt. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurden nun im unteren Manual die Offenflöte 8‘ entfernt und dafür eine Trompete 8‘ eingebaut. Außer einer weiteren Reparatur (durch starken Wassereinbruch von der Decke notwendig geworden) im Jahre 1984 wurden seitdem keine Veränderungen mehr vorgenommen, so dass die heutige Disposition der Orgel wie folgt lautet:
Hauptwerk (unteres Manual)
Prinzipal 8‘ (Zinnpfeifen)
Gedackt 8‘ (Holzpfeifen)
Gambe 8‘ (Zinnpfeifen)
Oktave 4‘ (Zinnpfeifen)
Rohrflöte 4‘ (Zinnpfeifen)
Oktave 2‘ (Zinnpfeifen)
Mixtur 4-5 fach (Zinnpfeifen)
Trompete 8‘ (Becher aus Zinn)

Positivwerk (oberes Manual)
Gedackt 8‘ (Holzpfeifen, ab e Doppelgedackt)
Salizional 8‘ (Holz- u. Zinnpfeifen)
Flöte 4‘ (Holzpfeifen, ab c‘ überblasend)
Prinzipal 2‘ (Zinnpfeifen)
Quint-Zimbel 2-fach (Zinnpfeifen)

Pedalwerk
Violinbaß 8‘ (Holzpfeifen, ab c rep. in 16‘, C-H mit akkust.
5 1/3‘ Pfeifen)
Subbaß 16 (Holzpfeifen)
Oktavbaß 8‘ (Holzpfeifen).
Ausführung wie ursprüngliche Orgel (Manual- und Pedalumfang, Windladen und Koppelanlage, mech. Spiel- und Regiertraktur) siehe oben!

Die Glocken

Die Kirche verfügte von Anbeginn an über 4 Glocken, wobei die kleinste vermutlich aus der alten Kirche von St. Johann stammte. Uber deren weiteren Verbleib schweigt sich allerdings die Chronik aus.
3 Glocken wurden 1845 neu angeschafft, wovon die ersten beiden von der politischen Gemeinde bezahlt wurden. Die 1. Glocke stand im Ton E, wog 1468 Pfund und kostete 2040,— Mark. Sie zeigte als Bild das Crucifix. Die 2. Glocke (Ton Gis) brachte 723 3/4 Pfund auf die Waage. Der Preis betrug 1020,— Mark. Die
3. Glocke (Ton H) wog 412 Pfund, zeigte — ebenso wie die 2. Glocke
— Maria mit dem Jesuskind und kostete 500 Gulden, die aus Spenden der Katholiken aufgebracht wurden. Alle 3 Glocken wurden von der Glockengießerei Friedr. Lindemann in Zweibrücken gegossen. Die Glockenweihe erfolgte im November 1845.
Leider wurden die beiden ersten Glocken am 26. Juli 1917 beschlagnahmt und zu Kriegszwecken eingeschmolzen. Nach dem 1. Weltkrieg erfolgte 1920 die Wiederbeschaffung, wobei nunmehr
3 neue Glocken gekauft wurden: 1. Glocke (Ton E), 1336 kg,
2. Glocke (Ton G), 816 kg, u. 3. Glocke (Ton A), 557 kg zum Preis von insgesamt 67 720,— Mark. Alle 3 Glocken stammten aus der Gießerei H. Ulrich in Apolda. Die Glocken wurden am 12. Juni 1921 geweiht und hatten folgende Inschrift: zu 1): „Gestiftet von den Treuen in Amerika lebenden Katholiken. 1921. Eigentum der kath. Kirchenstiftung Albersweiler.“ zu 2): „Erklinge dem Herrn zum Dank und Ehr. Rufe die Menschen zum alten Gott!“ zu 3):
„Gib Frieden, Herr, und täglich Brot. Schirm Kirch und Volk in ihrer Not! 1921“.
Die Freude an den neuen Glocken sollte jedoch wiederum nicht von langer Dauer sein. Am 9. Januar 1942 wurden sie — ebenfalls zu Kriegszwecken — beschlagnahmt und über Landau nach Kall i.d. Eifel (Metallhütte Kall GmbH, Kall) verfrachtet und am 17. Januar 1942 eingeschmolzen.
Es dauerte 4 Jahre nach dem 2. Weltkrieg, bevor wieder 4 Glocken zum Lobe Gottes erklangen. (Glockenweihe am 13. September 1949). Die Firma Schilling, Glockengießerei in Heidelberg, goss für die kath. Kirche 4 neue Glocken. Die einzige noch aus dem Jahre 1845 stammende Glocke, die beide Kriege überdauert hatte, wurde nunmehr zur 4. Glocke umgegossen. Der derzeitige Bestand an Glocken ist folgender (Material wie früher Bronze):
1. Glocke: 1219 kg, Ton E, Größe 125 cm, Preis 7.796,— DM Inschrift: „0 Maria Königin des Friedens, bitt für uns!“
II. Glocke: 674 kg, Ton G, Größe 105 cm, Preis 5.081,— DM
Inschrift: „St. Stephanus, du starker Held, schütz Kirch und Volk, schirm Flur und Feld!“
III. Glocke: 456 kg, Ton A, Größe 90 cm, Preis 3858,— DM
Inschrift: „St. Franziskus, Freund der Armen, bitte Gott um sein Erbarmen, dass er wende unsre Not und uns schenke unser Brot! Zum Andenken an den gef. Edmund Ritter.“
IV. Glocke: 355 kg, Ton H, Größe 85 cm, Preis 1.682,— DM (unter Anrechnung der alten H-Glocke)
Inschrift: „Zum Andenken an die Stiftung der Fam. Mansmann.“






Unser neuer Chorraum

Von Traudel Karl


Nach einer Planungs-u. Bauzeit von fast zwei Jahren unter der
Leitung von Diözesanbaumeister Heinrich Hartmann und
Dipl. Ing. Klaus Sternberger war die Neugestaltung unseres
Chorraumes im Mai des Jahres 2009 abgeschlossen.
Mit dem neuen Hochaltar, dem Retabel ( re hinter, tabel Tisch) wurde ein sichtbarer Abschluss der Raum-Achse in unserer Kirche geschaffen. Die Achse beginnt in unserer Wegekirche mit dem Eingang, vorbei an den Bankreihen, hindurch zwischen Josefs-und Marienaltar zum Zentrum des Chorraum—Bogens, wo der Zelebrationsaltar und dann am Ende des Weges der neue Hochaltar, das Retabel mit dem Allerheiligsten steht.
Die im Bestand der Kirche vorhandene Kreuzigungsgruppe, die Marien-und Johannisskulptur, sowie die Christusskulptur wurden in die eigenständige Formensprache des aus Eichenholz bestehenden Retabels integriert. Ebenso wurde der bereits vorhandene Tabernakel in die Mitte des neuen Hochaltars eingebettet.
Zwischen den abstrakten Elementen ranken, kraftvoll zwei dezent vergoldete Rebstöcke empor. Sie beziehen sich auf die Bildrede des
Johannes—Evangelium:
„Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater ist der Winzer...“ ‚Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben...“
Insbesondere bezieht sich das Motiv auch auf die unmittelbare Umgebung in der die Kirche steht, die Weingegend.
Das Retabel wurde von der Künstlerin und Holzbildhauerin Andrea Wörner aus Schiltach im Schwarzwald entworfen und gestaltet, geliefert wurden die Elemente aus Eichenholz von der Schreinerei Seidenspinner aus Bundenthal.
Der schlichte Zelebrationsaltar, sowie der neue Ambo aus gelbem Sandstein, ebenfalls nach einem Entwurf von Frau Wörner, wurden von Bildhauermeister Burghard Knauf aus Schweighofen gefertigt.
Die Gesamtkosten für die Neugestaltung des Chorraumes beliefen sich auf 107.227,42 Euro.
Zuschuss vorn Bischöflichen Ordinariat Speyer: 20.900 Euro. Aufwand für unsere Pfarrgemeinde: 86.327,42 Euro.
Dieser Aufwand konnte durch Spenden in Höhe von 53.000 Euro aus der Gemeinde. der Frauengemeinschaft und des Kirchenchors,
und durch einen Eigenanteil der Kirchenstiftung von 33.000 Euro gedeckt werden.
Die Renovierung und Neugestaltung unseres Chorraumes konnte somit ganz bezahlt werden.

Historisches



Die Geschichte der Orgel
In der 1843 abgebrochenen Kirche zu St. Johann stand eine kleine Orgel, die am Anfang des 18. Jahrhunderts von einem Speyerer Kloster zu 77 Gulden gekauft war. Die Chronik schreibt, daß „die Orgel 1802 zerlegt und bei Joh. Schwab untergebracht wurde, aber nicht mehr vorhanden gewesen sei, als man sie begehrte“.
Schon bald nach der Fertigstellung des Kirchenneubaues erhielt die Kirche auch eine neue Orgel.
Mit der Erbauung des Instruments wurde 1856 die Speyerer Orgelbauwerkstätte Gustav Schlimbach beauftragt. Die Orgel wurde 1859 in der Kirche aufgestellt und kostete 2.693 Gulden, die von der politischen Gemeinde bezahlt wurde. Die feierliche Orgelweihe erfolgte am 25. September 1859.


Die Orgel hatte 14 klingende Register, die auf 2 Manualen und Pedal verteilt waren:



Oberes Manual, 4 Register
Aoline 8‘ (2 Pfeifenreihen
schwebend gestimmt)
Liebl. Gedackt 8‘
Flöte 4‘
Salizional 8‘


Unteres Manual, 7 Register
Prinzipal 8‘ (teilweise im
Prospekt)
Bourdon 8‘
Gambe 8‘
Gedackt 8‘
Oktav 4‘ (teilweise im
Prospekt)
Oktav 2‘
Mixtur
(Ein Register war nicht
gebaut, aber zum späteren
Einbau vorgesehen)


Pedal, 3 Register
Violinbaß 8‘
Subbaß 16‘
Oktavbaß 8‘
 



Der Umfang der Manuale beträgt 4 1/2 Oktaven (C—f''') der des Pedals 2 Oktaven (C—c‘). Die Spieltraktur erfolgt mittels Holzabstrakten und Winkeln zwischen Tastatur und Pfeifenventilen auf mechanischem Wege. Ebenfalls mechanisch funktionieren das Regierwerk und die Koppelanlage, wodurch sich die Register des oberen Manuals im unteren Manual und die Register des unteren Manuals im Pedal spielen lassen.
Das Instrument wurde von Pfarrer und Gemeinde seinerzeit mehr nach dem äußeren Erscheinungsbild als nach den inneren Werten beurteilt. So schreibt die Chronik über die neue Orgel als „Möbel“: „... die neue Orgel ... ist das einzige Möbelstück, das ebenso schön wie gut ist.“
So ist das Orgelgehäuse solide in Eichenholz angefertigt worden, die Spieltischanlage wurde seitlich in das Gehäuse integriert. Das Herzstück der Orgel, die Windiladen (= Windverteilungssystem, meist eine Kastenkonstruktion, auf der die Pfeifen stehen) hat der Erbauer unbegreiflicherweise aus einer älteren Orgel (Fichtenholz) entnommen, deren Spieltischanlage in der Mitte des Gehäuses eingebaut war, so daß die Spielweise des neuen Instruments durch „verdrehte“ Windventilbefestigung und nicht passenden Winkelübersetzungen bis zum heutigen Tage äußerst schwergängig ist. Auf diesen Mißstand haben bisher sämtliche mit Restaurierung und Umbau befaßten Orgelbaumeister sowie Organisten vergeblich hingewiesen.
Leider gingen die Kriegswirren auch nicht spurlos an der Orgel vorüber. So geht aus alten Unterlagen hervor, daß am 31. Juli 1917

sämtliche Zinnprospektpfeifen mit einem Gewicht von insgesamt 103,2 kg zum Einschmelzen für Kriegszwecke abgeliefert werden mußten. Nach dem Kriege wurde ein Teil der Pfeifen — allerdings aus minderwertigem Zink-Material — wiederbeschafft. Ein Teil des Prospekts wurde mit einem Tuch verhüllt. Im Jahre 1939 stiftet der Cäcilienverein ein elektrisches Gebläse für die Orgel.
Das Instrument blieb so unverändert bis zum Jahre 1958.
Im Zuge einer notwendig gewordenen Reparatur und Uberholung des Instruments wurden auch klangliche Veränderungen vorgenommen. Ausgeführt haben diese Arbeiten die Orgelbaufirma E.F. Walcker + CIE, Ludwigsburg. Im oberen Manual wurde die Aoline (ein Streich- und Säuselregister) entfernt und dafür Principal 2‘ und eine 2-fache Quint-Zimbel neu eingebaut. Im unteren Manual wurde das bislang nicht vorhandene 8. Register auf der Windlade mit einer Rohrflöte 4‘ ergänzt; Bourdon 8‘ gegen eine Offenflöte 8‘ ausgetauscht und die fehlenden Prospektpfeifen — allerdings wiederum aus Zink-Material — eingebaut. Die Mixtur erhielt einen zusätzlichen, helleren Pfeifenchor.
Der Klang der Orgel wurde dadurch insgesamt aufgehellt und dem seinerzeitigen Zeitgeschmack entsprechend angepaßt (barockisiert). Damit der Orgelton mehr in den Kirchenraum dringt, wurde das mittlere Feld des Orgelgehäuses geöffnet und mit Stab- profilen versehen. Dem Wunsche nach einer leichtgängigeren Spielweise (Einbau von gleichaufgehenden Ventilen und exakt berechneten Winkeln) wurde leider nicht entsprochen.
Die Wiederherstellung des Orgelprospekts mit hochwertigen Zinnpfeifen — wie ursprünglich eingebaut — erfolgte erst bei einer wiederum notwendig gewordenen Reparatur- und Uberholungsmaßnahme im jahre 1976. Der damalige Orgelsachverständige und Domorganist Leo Krämer stellt in seinem Gutachten vom 14. 7. 1976 fest, daß die Orgel in einem „beklagenswerten und schlechten Zustand sei und zudem noch äußerst schwergängig zu spielen sei“. Der Kirchenverwaltungsrat beschloß daraufhin die Arbeiten für eine Generalreinigung sowie Uberholung der Spieltraktur an die Fa. Mayer, Heusweiler, zu vergeben. Die im Gutachten — wie schon früher geäußerte Bitte nach notwendigen Arbeiten für eine leichtgängigere Spielweise wurde wieder nicht berücksichtigt. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten wurden nun im unteren Manual die Offenflöte 8‘ entfernt und dafür eine Trompete 8‘ eingebaut. Außer einer weiteren Reparatur (durch starken Wassereinbruch von der Decke notwendig geworden) im Jahre 1984 wurden seitdem keine Veränderungen mehr vorgenommen, so daß die heutige Disposition der Orgel wie folgt lautet:



Hauptwerk (unteres Manual)
Prinzipal 8 Zinnpf eilen
Gedackt 8‘ (Ho1zpfeifen
Gambe 8‘ (Zinnpfeifen)
Oktave 4‘ (Zinnpfeifen)
Rohrflöte 4‘ (Zinnpfeifen)
Oktave 2‘ (Zinnpfeifen)
Mixtur 4-5 fach (Zinnpfeifen)
Trompete 8‘ (Becher aus Zinn)


Positvwerk (oberes Manual) Gedackt 8' (HoLzpteifen, ab e Doppelgedackt)
Salizional 8‘ Holz- u. Zinnpfeifen) Flöte 4‘ (Holzpfeifen, ab c‘ überblasend)
Prinzipal 2‘ (Zinnpfeifen) Quint-Zimbel 2-fach (Zinnpfeifen)
Pedalwerk Violinbaß 8' (Holzpfeifen, ab c rep. in 16', C-H mit akkust. 5 1/3 Pfeifen) Subbaß 16 (Holzpfeifen) Oktavbaß 8' (Holzpfeifen  

Altatweihe

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Die Kirche

Feste in der Gemeinde

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